Roland Tichy
Roland Tichy: Stand als Stiftungsvorsitzender schon mehrfach in der Kritik Foto: picture alliance/Eventpress
Nach Kritik an Artikel über Chebli

FDP- und CDU-Politiker erfreut über Tichy-Rückzug aus Ludwig-Erhard-Stiftung

BONN. Politiker mehrere Parteien haben den Rücktritt des Publizisten Roland Tichy vom Vorsitz der Ludwig-Erhard-Stiftung gelobt. Der Kandidat auf den CDU-Parteivorsitz, Friedrich Merz, kommentierte auf Twitter: „Die einzig richtige Entscheidung!“ Die Berliner SPD-Politikerin Sawsan Chebli schrieb, Tichys Rückzug sei „längst überfällig“. Doch er löse „natürlich nicht das Riesenproblem, das wir mit Sexismus haben“.

Auch der stellvertretende FDP-Vorsitzende im Bundestag, Alexander Lambsdorff, und die frühere Vize-Vorsitzende der Stiftung sowie aktuelle nordrhein-westfälische Umweltministerin, Ursula Heinen-Esser (CDU), zeigten sich über die Ankündigung erfreut.

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„Frauenverachtende Äußerungen gegenüber meiner Kollegin Sawsan Chebli“

Zuvor war dem Publizisten vorgeworfen worden, in seinem Magazin Tichys Einblick einen frauenverachtenden Text veröffentlicht zu haben. Ein Autor schrieb dort über Chebli, die gegen Berlins Regierenden Bürgermeister Michael Müller um ein Bundestagsmandat antritt: „Was spricht für Sawsan? Befreundete Journalistinnen haben bislang nur den G-Punkt als Pluspunkt feststellen können in der Spezialdemokratischen Partei der alten Männer.“

Daraufhin hatte die Staatsministerin für Digitales, Dorothee Bär (CSU), aus Protest gegen Tichy öffentlich ihren Austritt aus der Stiftung bekanntgegeben. Dessen Magazin enthalte „frauenverachtende und in höchstem Ausmaß sexistische Äußerungen gegenüber meiner Kollegin Sawsan Chebli“, gab die CSU-Politikerin zur Begründung an. Die SPD-Politikerin lobte Bär dafür.

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Die Geschäftsstelle der Stiftung schickte am Donnerstag eine E-Mail an alle Mitglieder, in der die bevorstehende Mitgliederversammlung Ende Oktober angekündigt wurde. Zudem hieß es darin, Tichy sowie sein Stellvertreter Oswald Metzger und Schatzmeister Alexander Tesche stellten sich nicht mehr zur Wiederwahl. Konkrete Gründe dafür wollte Tichy auf Nachfrage der JUNGEN FREIHEIT nicht nennen.

Tichy soll Putsch zuvorgekommen sein

Der Journalist war in seiner Funktion als Stiftungsvorsitzender schon mehrfach kritisiert worden. Merz hatte 2018 den Ludwig-Erhard-Preis abgelehnt und begründete dies mit den publizistischen Aktivitäten Tichys. Mehrere Mitglieder der Jury traten daraufhin zurück. Das Wirtschaftsmagazin Business Insider berichtete am Donnerstag, Tichy sei mit seinem Rücktritt einem Putsch durch andere Mitglieder – angeführt von Bundesbankchef Jens Weidmann – zuvorgekommen.

Demnach schrieb Weidmann in einem Brief an die Mitglieder, Tichy und sein Engagement hätten „eine negative öffentliche Berichterstattung über die Stiftung ausgelöst“. Der „zuspitzende, oft polemische Debattenstil“ in Tichys Einblick vertrügen sich nicht mit den Idealen der Stiftung. Der Brief soll nur der erste Schritt gewesen sein, um den Publizisten abzulösen. Im Herbst sollte dem Vorhaben nach ein neuer Stiftungschef gewählt werden – allerdings ohne Tichy. (ls)

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