RKI-Chef Lothar Wieler
RKI-Chef Lothar Wieler: Corona wird noch immer von vielen als „Medienhype“ wahrgenommen Foto: picture alliance/Carsten Koall/dpa
Coronakrise

RKI-Chef Wieler: „Die Sterberate wird steigen“

BERLIN. Der Chef des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, rechnet mit stark zunehmenden Covid-19-Todesfällen. „Ich gehe davon aus, daß die Sterberate steigen wird“, sagte Wieler bei einer Pressekonferenz am Dienstag morgen. „Wir haben jetzt auch sehr viele Fälle in Pflege- und Altenheimen, da leben die besonders betroffenen Risikogruppen.“

Das Durchschnittsalter der bisher an der von dem Coronavirus ausgelösten Krankheit gestorbenen Personen liege bei 80 Jahren. Der jüngste Patient sei 28 Jahre alt gewesen und habe an Vorerkrankungen gelitten. Die Sterberate in Deutschland sei mit rund 0,8 Prozent deshalb relativ niedrig, weil die Bundesrepublik „sehr früh und sehr viel“ getestet habe. „Daher haben wir auch sehr viele milde Fälle gefunden.“

Allerdings gibt es mittlerweile auch Zweifel daran, daß die angeblich hohe Anzahl an Tests der hauptsächliche Grund für die vergleichsweise niedrige Todesrate in Deutschland sei. Eine Erhebung von Daten aus der vergangenen Woche zeigt, daß in Deutschland weniger Personen getestet wurden als etwa in Italien oder Spanien, wo die Mortalitätsrate deutlich höher liegt.

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Wieler kritisiert Corona-Beschwichtiger

RKI-Chef Wieler fügte am Dienstag zudem hinzu, daß sich in Deutschland derzeit mehr als 61.000 Personen mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert hätten. 583 seien bislang an den Folgen davon gestorben, etwa 16.100 gelten als genesen. „Jede Person kann an Covid-19 erkranken, unabhängig vom Alter“, mahnte Wieler. „Das Risiko, schwer zu erkranken, steigt jedoch mit dem Alter und ob man Vorerkrankungen hat oder nicht.“ Auch gebe es mehr männliche als weibliche Todesfälle.

Der gelernte Veterinärmediziner wies auf eine wöchentliche Befragung hin, wonach aktuell 41 Prozent der Deutschen Covid-19 für gefährlich halten. „Und das stimmt: Es ist eine gefährliche Krankheit und je mehr Menschen das einsehen, desto besser.“ Trotzdem werde die Pandemie noch immer von vielen als „Medienhype“ wahrgenommen. Das sei „bedauerlich“.

Vor allem ältere Personen würden demnach eine eher geringe Krankheitsgefährdung wahrnehmen. „Ich möchte alle Menschen bitten, die Krankheit ernst zu nehmen und sich an das Abstandsgebot zu halten“, appellierte Wieler. Er äußerte sich auch zu der Maskenpflicht, die ab kommender Woche in Jena, und damit in der ersten deutschen Großstadt, gelten soll.

„Der Mund-Nasen-Schutz dient dem Schutz anderer vor einer Infektion. Wenn jemand selbst infiziert ist, dann sorgt der Schutz dafür, daß die Tröpfchen nicht so weit fliegen können.“ Auch ein selbstgebauter Mund-Nasen-Schutz helfe, Tröpfchen nach dem Niesen oder Husten einzudämmen.

Söder fordert „nationale Notfallproduktion“ von Schutzmasken

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat unterdessen eine „nationale Notfallproduktion“ von Schutzmasken gefordert. „Was wir dringend brauchen, sind mehr Masken, und zwar die hochwertigen Masken für unser gesamtes Personal in den Krankenhäusern und Arztpraxen“, sagte der CSU-Chef am Dienstag im ARD-„Morgenmagazin“. Wichtig sei, „daß wir eine nationale Notfallproduktion endlich bekommen“.

Eine Schutzmaskenpflicht in Supermärkten, wie es Österreich eingeführt hat, sei derzeit nicht geplant, ergänzte Söder. Zuerst müsse geschaut werden, ob die in Deutschland beschlossenen Maßnahmen helfen. „Es ist wichtig, daß wir uns jetzt an die grundlegenden Beschränkungen halten und nicht über Exit-Strategien nachdenken.“ Zuletzt hatte es wiederholt Forderungen nach einem baldigen Ende des wirtschaftlichen Stillstands gegeben. (ls)

RKI-Chef Lothar Wieler: Corona wird noch immer von vielen als „Medienhype“ wahrgenommen Foto: picture alliance/Carsten Koall/dpa

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