Die Vizepräsidentin des Landtages von Schleswig-Holstein, Aminata Touré (Grüne), verlangt mehr Einsatz gegen Rassismus Foto: picture alliance/Carsten Rehder/dpa
Die Vizepräsidentin des Landtages von Schleswig-Holstein, Aminata Touré (Grüne), verlangt mehr Einsatz gegen Rassismus Foto: picture alliance/Carsten Rehder/dpa
Schleswig-Holstein

Landtags-Vizepräsidentin Touré fordert mehr Engagement gegen Rassismus

KIEL. Die Vizepräsidentin des Landtages von Schleswig-Holstein, Aminata Touré (Grüne), hat gefordert, mehr gegen Rassismus in Deutschland zu unternehmen. Es müsse darüber aufgeklärt werden, woher das Problem komme und wie man sich dagegen „immunisieren“ könne. „Wir müssen Rassismus entlernen“, sagte sie am Mittwoch der Welt.

Das Thema „Black Lives Matter“ sei durch den Fall George Floyd so präsent wie lange nicht mehr. Die Kampagne bekomme zwar viel Zuspruch, doch damit allein sei niemandem geholfen. „Ich nehme eine starke Solidarität wahr. Es reicht jedoch nicht, etwa bei einer Social-Media-Aktion mitzumachen oder sich einmal an einer Kundgebung zu beteiligen. Das macht einen Menschen nicht zum Antirassisten. Wir wachsen alle in einer Gesellschaft auf, in der Rassismus üblich ist.“

Schulen sollen „Kolonialismus und Rassismus intensiver behandeln“

In Deutschland werde das Phänomen bisher nicht ausreichend behandelt, beklagte Touré. „Keine Gesellschaft setzt sich gerne mit dem eigenen Rassismus auseinander.“ Es sei der Problemlösung nicht dienlich auf „schlimmere Zustände“ zu verweisen, stattdessen müsse besser über Fremdenhaß aufgeklärt werden.

Einen großen Anteil hätten die Schulen. „Für mich wäre wichtig, daß im Bildungsbereich das Thema Kolonialismus und Rassismus viel intensiver bearbeitet wird und Lehrer entsprechend ausgebildet werden“, betonte die Fraktionssprecherin für Antirassismus.

Weiße Menschen sollen sich solidarisch zeigen

Weiße Menschen seien besonders in der Pflicht. Laut Touré sollen sie Solidarität zeigen, sich aber nicht zu eigenen Diskriminierungserfahrungen äußern. „Ich erwarte von nicht schwarzen Menschen, uns zuzuhören und sich zu solidarisieren – ohne eigene Erfahrungen im Ausland mit struktureller Diskriminierung gleichzusetzen“, machte sie deutlich.

Zudem sprach sie  sich für mehr Menschen mit Migrationshintergrund und andere Randgruppen in „entscheidenden Stellen“, wie der Politik, aus. „Über die Gruppe der schwarzen Menschen hinaus müssen Minderheiten in politische Räume reinströmen und dort repräsentiert werden, weil dort die Entscheidungen getroffen werden“, forderte sie. (zit)

Die Vizepräsidentin des Landtages von Schleswig-Holstein, Aminata Touré (Grüne), verlangt mehr Einsatz gegen Rassismus Foto: picture alliance/Carsten Rehder/dpa

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