Gesundheitsminister Jens Spahn und Kanzlerin Angela Merkel (CDU)
Gesundheitsminister Jens Spahn und Kanzlerin Angela Merkel (CDU): Einschränkungen auch nach „Lockdown“ Foto: picture alliance
Erfolg bei Impfstoff-Herstellung

Spitzenpolitiker rechnen mit weiteren Einschränkungen nach „Lockdown“

BERLIN. Mehrere Spitzenpolitiker in Deutschland haben Erwartungen auf ein rasches Ende der Corona-Einschränkungen gedämpft. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte am Sonntag, die Auflagen könnten in ihrer Gesamtheit erst aufgehoben werden, wenn 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung immun gegen das Virus seien.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) teilte mit, er rechne mit Blick auf das nächste Spitzengespräch von Bund und Ländern am 16. November mit Nachschärfungen. „Daß die Zahlen sehr schnell und sehr stark sinken, ist letztlich nicht zu erwarten“, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters.

Spahn: „An jedem Mittagstisch“ über Impfstoff diskutieren

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) verdeutlichte in einer Sendung der Bild-Zeitung, die Bürger müßten sich auch nach dem Ende des November-„Lockdowns“ auf weitere Einschränkungen einstellen. Auf die Frage, wann sie wieder über die vollen Grundrechte verfügen könnten, antwortete der CDU-Politiker: „Das ist absehbar für die nächsten Monate sicher nicht der Fall.“ Ziel sei es, Kindertagesstätten und Schulen so lange wie möglich offen zu halten.

Der CDU-Politiker forderte zudem eine politische und gesellschaftliche Debatte über eine mögliche Impfung gegen Covid-19. „An jedem Mittagstisch, in der Familie oder auf der Arbeit“ solle darüber gesprochen werden, wer zuerst geimpft werden soll. Auch der Bundestag werde sich damit befassen.

Am Montag präsentierten der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission, Thomas Mertens, die Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Alena Buyx, sowie der Präsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, Gerald Haug, ein Positionspapier zu dem Thema. Demnach sollen nach der Zulassung eines Impfstoffs zuerst ältere Personen und jene mit Vorerkrankungen geimpft werden. Dasselbe gelte für Mitarbeiter in Pflegeheimen, Krankenhäusern und in Schlüsselpositionen in der Gesellschaft sowie der öffentlichen Ordnung.

Mainzer Pharmaunternehmen und US-Konzern melden Impfstoff-Erfolg

Unterdessen vermeldeten das Mainzer Pharmaunternehmen Biontech und der US-Pharmakonzern Pfizer einen ersten Erfolg in der Herstellung eines Impfstoffs gegen das Corona-Virus. Eine Ende Juli begonnene Phase-3-Studie habe ergeben, daß ihr Corona-Impfstoff einen bis zu 90-prozentigen Schutz vor einer Ansteckung mit dem Virus biete.

Teilgenommen hatten an der Studie mehr als 43.000 Probanden. Knapp 39.000 von ihnen hatten bis zum 8. November bereits die zweite Dosis des Impfstoffs erhalten. Seit Beginn der Studie hätte es 94 bestätigte Corona-Fälle unter den Teilnehmern gegeben. Die Untersuchung soll so lange mit weiteren Probanden durchgeführt werden, bis 164 bestätigte COVID-19-Fälle aufgetreten sind.

Corona und die totalitäre Herrschaft

„Die Verteilung der aufgetretenen COVID-19-Fälle zwischen Impfgruppe und Placebo-Gruppe wies sieben Tage nach der zweiten Dosis auf eine Impfstoff-Wirksamkeitsrate von über 90 Prozent hin. Dies bedeutet, daß der Schutz 28 Tage nach Beginn der Impfung, die aus einem 2-Dosis-Schema besteht, erreicht wird“, teilten Biontech und Pfizer am Montag mit. Allerdings wurden noch keine genaueren Daten zu den Probanden und den Corona-Infizierten wie beispielsweise deren Alter oder Geschlecht bekannt.

Pfizer-Geschäftsführer Albert Bourla sprach dennoch von einem „Meilenstein in unserem Impfstoffprogramm“. Mit dem Erfolg komme man dem Ziel einen Schritt näher, „den Menschen weltweit einen benötigten Durchbruch zu ermöglichen, der helfen könnte, die globale Gesundheitskrise zu beenden“. Pfizer und Biontech planten daher, ab der kommenden Woche eine Zulassung ihres Impfstoffs bei der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA zu beantragen. (ls/krk)

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