Ramadan in Berlin
Ramadan in Berlin (Archivbild) Foto: picture alliance / AA
Papier der Bundesregierung

Bericht: Kirchen wegen befürchtetem Ramadan-Chaos weiter geschlossen

BERLIN. Die Bundesregierung will Gottesdienste einem Bericht zufolge aus Angst vor chaotischen Zuständen im Ramadan weiterhin untersagen. In einem gemeinsamen Papier von Bund und Ländern heißt es laut Bild-Zeitung, daß die freie Religionsausübung zwar ein hohes Gut sei, die Ansteckungsgefahr bei solchen „Zusammenkünften“ jedoch zu hoch sei.

Allerdings sei der tatsächliche Hintergrund dieser Entscheidung nach Bild-Informationen ein anderer. Anders als bei den großen christlichen Kirchen und den jüdischen Gemeinden habe die Politik bei den Moslems keine zentralen Ansprechpartner, die Regeln zur Eindämmung der Corona-Pandemie verläßlich durchsetzen könnten.
Deshalb sollen nun alle Gotteshäuser, Synagogen und Moscheen mindestens bis zum Ende kommender Woche geschlossen bleiben. Am Donnerstag beginnt der moslemische Fastenmonat Ramadan und dauert bis zum 23. Mai an.

Der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach kritisierte diese Entscheidung scharf. „Weil man Angst hat vor zu vollen Moscheen, dürfen die katholischen und evangelischen Kirchen nicht öffnen. Ich tue mich mit dieser Argumentation etwas schwer“, sagte er dem Blatt. Schutzkonzepte seien auch für Kirchen, Synagogen und Moscheen denkbar gewesen. „Schlangen vor Baumärkten, aber leere Kirchen – ist nicht einfach zu erläutern.“

Kurz vor Ramadan: Nordrhein-Westfalen und Berlin für Lockerungen

Auch der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) sprach sich dafür aus, religiöse Veranstaltungen schnellst möglich wieder zu erlauben. Ebenso erwägt der Berliner Senat eine baldige Öffnung unter bestimmten hygienischen Voraussetzungen. Mit Blick auf den Ramadan sagte er laut B.Z.: „Ein Fastenbrechen, ein Iftar-Fest, wird es nicht geben.“

Am heutigen Freitag treffen sich Vertreter der katholischen, evangelische und orthodoxen Kirchen sowie der jüdischen und moslemischen Gemeinden im Bundesinnenministerium zu einem „offenen Gedankenaustausch“. Es solle geklärt werden, wie „das praktische Leben des Glaubens in Gottesdiensten und gemeinschaftlichen Gebeten“ ermöglicht werden kann, meldet die Bild-Zeitung. Auch Laschet soll zugeschaltet werden.

Die meisten Moslems in Deutschland leben in den westdeutschen Bundesländen inklusive Berlin. Laut der nordrhein-westfälischen Landesregierung beträgt der Anteil von Moslems in diesem Bundesland fast zehn Prozent. (ls)

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