Anis Amri
Der Attentäter Anis Amri Foto: picture alliance / -/Bundeskriminalamt/dpa
Möglicherweise weitere Panne

Fall Amri: Ermittler sollen Informationen von V-Mann nicht weitergeleitet haben

BERLIN. Im Fall des islamischen Terroristen Anis Amri hat es einem Bericht zufolge eine weitere Behördenpanne gegeben. Ein V-Mann des Verfassungsschutzes Mecklenburg-Vorpommerns soll wenige Wochen nach dem Anschlag auf dem Breitscheidplatz in Berlin mitgeteilt haben, daß eine arabischstämmige Familie in Berlin-Neukölln Amri Geld und Informationen für die Tat gegeben und ihn nach dem Anschlag aus der Stadt gefahren habe, ergaben Recherchen der ARD und der Zeit.

Der V-Mann sei in Kontakt zu der Familie gestanden und soll auch ein Gespräch zwischen vier Männern mitgehört haben, in dem es mutmaßlich um Amri gegangen sei: Man habe dem „Esel“ extra noch gesagt, er solle von der anderen Seite in den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz fahren, wodurch er mehr Ungläubige hätte töten können. Der Informant habe keine Zweifel gehabt, daß die Männer über Amri sprachen und teilte dies im Februar 2017 den Beamten mit.

Doch der Verfassungsschutz in Mecklenburg-Vorpommern gab diese Informationen nicht an die Ermittler von Bundesanwaltschaft und Bundeskriminalamt weiter. Erst im Oktober 2019 soll sich einer der V-Mann-Führer in einem Brief an die Bundesanwaltschaft gewandt haben. Dieser habe erläutert, er halte es nicht mehr aus, seine Vorgesetzten zu decken, die 2017 gesagt hätten, sie wollten in Ruhe in Pension gehen.

Vorgesetzte halten V-Mann für glaubwürdig

Aus Sicherheitskreisen hieß es laut ARD und Zeit jedoch auch, es habe Zweifel an der Glaubwürdigkeit sowohl des V-Mannes als auch der V-Mann-Führer gegeben. Die Vorgesetzten in Schwerin halten den Mann, der seit 2015 im Einsatz war, demnach allerdings für glaubwürdig. Das Schreiben des Whistleblowers habe zu internen Ermittlungen geführt, die bis heute andauerten. Bislang gebe es allerdings keine Beweise, daß die besagte Familie Kontakt zu Amri hatte.

Bereits in der Vergangenheit hatten Sicherheitsbehörden Ermittlungspannen im Fall Amri eingeräumt. So hatten Mitarbeiter des nordrhein-westfälischen Landeskriminalamts etwa mehrere Fotos auf einem in Berlin sichergestellten Mobiltelefon. Darauf war Amri unter anderem mit einer Schußwaffe und verschiedenen Stichwaffen zu sehen. Auch bei der Überwachung des Terroristen hatte es Fehler gegeben. (ls)

Der Attentäter Anis Amri Foto: picture alliance / -/Bundeskriminalamt/dpa

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