„Alan Kurdi“
40 Einwanderer an Bord

Nach Verbot durch Salvini: „Alan Kurdi“ will nicht in italienische Gewässer

REGENSBURG. Das deutsche Flüchtlingshilfsschiff Alan Kurdi wird nach Angaben der Organisation Sea-Eye nicht in italienische Gewässer einfahren. „Wir werden definitiv vor den Hoheitsgewässern Italiens stoppen und nicht gegen die Anweisungen eines Staates verstoßen“, sagte der erste Vorsitzende des Vereins mit Sitz in Regensburg, Gorden Isler, dem Evangelischen Pressedienst.

Die Alan Kurdi werde kurz vor der Zwölf-Meilen-Zone die Motoren abschalten. Gewässer zählen bis zwölf Meilen (rund 22 Kilometer) zum Staatsgebiet eines jeweiligen Landes. Das Schiff hatte am Mittwoch morgen vor Libyen 40 Migranten von einem Schlauchboot aufgenommen.

Kapitän Andrej Kovaliov habe nach der Aufnahme die libysche, maltesische und italienische Seenotleitzentrale kontaktiert. Am Abend habe die libysche Seewacht Tripolis als sicheren Hafen angegeben. „Jeder Flaggenstaat, der die UN-Flüchtlingskonvention unterzeichnet hat, darf uns eigentlich nicht nach Libyen zurückschicken“, erklärte Kovaliov mit Blick auf die humanitäre Situation in dem nordafrikanischen Land.

Salvini erläßt Verbot für Ein- und Durchreise

Kurz nach Bekanntwerden der Aufnahme der 40 Einwanderer hatte Italiens Innenminister Matteo Salvini (Lega) ein Ein- und Durchreiseverbot für das Schiff unterzeichnet. „Es ist eine deutsche Nichtregierungsorganisation, also weiß sie, wohin sie fahren kann, aber nicht nach Italien. Punkt“, teilte er auf seinen Social-Media-Kanälen mit.

Einige Stunden später ergänzte er: „Das Alan Kurdi-Schiff, derzeit 30 Meilen von den Küsten Libyens entfernt, lehnte den von der lybischen Küstenwache zugewiesenen Hafen von Tripolis ab. Es geht wieder gleich weiter, die deutsche Nichtregierungsorganisation ignoriert internationale Behörden. Ich werde nicht nachgeben!“

In den vergangenen Monaten war Salvini immer wieder mit den zumeist deutschen Flüchtlingsorganisationen in Konflikt geraten, die mit ihren Schiffen nach Italien wollten. Zumeist ließ der Lega-Chef die Einwanderer an Land, sobald sich andere EU-Staaten, darunter Deutschland, zur Aufnahme der Asylbewerber bereit erklärten.

Vor zwei Wochen hatte ein italienisches Fernsehteam aufgedeckt, daß Schlepper explizit mit Kontakten zu Hilfsorganisationen wie Sea-Eye oder Sea-Watch werben. Der Migrationsforscher Jochen Oltmer von der Universität Osnabrück hatte zuvor gesagt, es gebe „keinen einzigen Beleg“ dafür, daß Flüchtlingsschiffe privater Hilfsorganisationen Afrikaner dazu animieren, über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen. (ls)

„Alan Kurdi“: Folgte nicht den Anweisungen der libyschen Küstenwache Foto: picture alliance/Pavel D. Vitko/Sea Eye/dpa

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