Robert Habeck, Bundesvorsitzender von Bündnis 90 / Die Grünen: Einwanderung ohne Obergrenze Foto: picture alliance / Sven Simon
Flüchtlinge von griechischen Inseln

Habeck will Tausende Migranten nach Deutschland holen

FRANKFURT/MAIN. Grünen-Co-Vorsitzender Robert Habeck hat an die Regierung appelliert, Tausende Immigranten aus Lagern von den griechischen Inseln nach Deutschland bringen zu lassen. Auch ohne einheitliches Mitmachen der übrigen EU-Mitgliedsstaaten könne die Bundesrepublik helfen. In einem Interview mit der FAS forderte er einen großangelegten Migrantentransfer von den Inseln vor der türkischen Küste. „Holt als erstes die Kinder raus“, sagte er der Sonntagszeitung.

Schnelle Hilfe sei ein „Gebot der Humanität“, denn unter den 4.000 Kindern auf den griechischen Mittelmeerinseln befänden sich „viele Mädchen, viele zerbrechliche kleine Menschen“. Angesichts der vorgeblichen Not in den Lagern für Migranten lehnte Grünen-Chef Habeck es ab, eine Höchstgrenze für die Zahl der Flüchtlinge zu benennen, die Berlin übernehmen solle.

Länder Berlin und Thüringen zur Aufnahme bereit

Ohnehin müsse Deutschland auch handeln, wenn andere EU-Staaten nicht mitmachen wollten bei der Migrantenverteilung: „Es ziehen sowie nie alle mit.“

Die rot-rot-grün regierten Bundesländer Berlin und Thüringen hätten sich zur Aufnahme von Migranten aus Griechenland schon bereit erklärt. Bereit stünden auch der grüne Koalitionspartner in der baden-württembergischen Landesregierung sowie der niedersächsische SPD-Innenminister Boris Pistorius.

Zwei Drittel aus Afghanistan und Pakistan

Nach Angaben der griechischen Regierung von Premierminister Kyriakos Mitsotakis stammten knapp zwei Drittel der Migranten aus Afghanistan und Pakistan, etwa elf Prozent seien Kriegsflüchtlinge aus den verschiedenen syrischen Provinzen. Erst am Donnerstag war es auf Samos zu Ausschreitungen gekommen. 300 Ausländer randalieren aus Wut, weil sie nicht auf das griechische Festland gebracht wurden, und schleuderten Steine auf die Polizei, die sich mit Tränengas der Angreifer erwehren mußte.

Viele der irregulären Einwanderer hätten laut Premier Mitsotakis keinen Anspruch auf Schutz und Asyl und müßten dem EU-Türkei-Flüchtlingsabkommen von 2016 umgehend in die Türkei zurückgeschickt werden.

Die JUNGE FREIHEIT hatte zuletzt in einer Reportage von den griechischen Inseln (hier und hier) von der Masseneinwanderung via Ostmittelmeerroute durch die Ägäis berichtet. (ru)

Robert Habeck, Bundesvorsitzender von Bündnis 90 / Die Grünen: Einwanderung ohne Obergrenze Foto: picture alliance / Sven Simon

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