ARD-Themenabend

Lauwarmer Kaffeeklatsch

Die ARD widmete sich am gestrigen Montagabend der Frage um die Nachfolge von Angela Merkel als CDU-Vorsitzende. In der Talkshow „hart aber fair“ kam es zu Beginn der Sendung zu einem kleinen Tumult, weil ein Zuschauer lautstark gegen den UN-Migrationspakt protestierte und daraufhin von Sicherheitsleuten aus dem Studie befördert wurde.

Danach wurde die Diskussion deutlich gesetzter. Leider nicht gehaltvoller. Dies lag auch an den Gästen. So hatte die Redaktion aus irgendeinem Grund Klaus Wowereit eingeladen. Der einstige SPD-Chaos-Bürgermeister von Berlin warf der CDU Mittelmäßigkeit bei der Personalsuche vor. Dazu gehört angesichts der politischen Pleiten, Pech und Pannen-Bilanz Wowereits und dem Zustand seiner eigenen Partei schon reichlich Chuzpe.

Überhaupt wirkte die Gästeauswahl etwas willkürlich zusammengewürfelt. Nicht nur, weil der große blaue Elefant im Raum, die AfD, mal wieder mit keinem Gast vertreten war, dafür aber, wie so oft, FDP-Chef Lindner. Aus den Reihen der CDU war der Merz-Fan Christian von Stetten eingeladen. Seine mangelnde Talkshowerfahrung machte ihn merklich gehemmt. Ein Schelm, der Böses dabei denkt, daß die WDR-Redakteure gerade ihn als Vertreter der Merz-Fraktion ausgewählt hatten.

Kaum Angriffe

Auch Politberater und Talkshow-Dauergast Michael Spreng war einst glühender Merz-Fan. Ist es jetzt aber nicht mehr so ganz. Was wohl der Hauptgrund war, warum er in die Sendung kommen durfte. Für Annegret Kamp-Karrenbauer durfte die stellvertretende Leiterin des Parlamentsbüros der Rheinischen Post, Kristina Dunz, die Werbetrommel rühren. Sie kritisierte, daß AKK von vielen „Mini-Merkel“ genannt wird. Mit ihrer Kritik hat Dunz recht. Kramp-Karrenbauer überbietet Merkel in Sachen Wischi-Waschi-Konservativismus und nichtsagender Rhetorik eher, als daß sie eine Mini-Version von ihr wäre.

Die Debatte über die Vor- und Nachteile der einzelnen Kandidaten kam leider nicht über das Niveau der Frage hinaus, ob jemand eine „Mini-Merkel“ sei oder nicht. Dazu wurde das Ganze noch in einer ziemlich lauwarmen Kaffeeklatsch-Atmosphäre diskutiert. Harsche Kritik oder gar echte Angriffe gab es so gut wie nicht.

Wenn die „hart aber fair“-Redaktion einmal tatsächlich einen der CDU-Kandidaten kritisch anging, dann eigentlich immer nur dafür, daß er in bestimmten Punkten tatsächlich konservative oder wirtschaftsliberale Positionen vertritt. Insgesamt war die Diskussion so unspektakulär, daß es am Ende nicht einmal Bedarf für den berühmten „Fakten-Check“ der Sendung gab.

Einblicke ins Machtzentrum der CDU

Deutlich interessanter war da schon die Dokumentation „Der Machtkampf“, die vor der „hart aber fair“-Sendung lief. Mit reichlich Hintergrundinformationen und in überraschend sachlichem Ton zeigten die Macher des Films auf, wie sehr Friedrich Merz das Rennen um die Nachfolge Merkels vorangetrieben, ja es in gewisser Weise überhaupt erst ins Rollen gebracht hat.

Spannend waren auch die Einblicke in die höchsten Kreise der CDU. Im Präsidium der einstigen Merkel-Partei gewährte man der „großen Vorsitzenden“ nicht einmal mehr die von ihr erbetenen zwei Stunden Diskretion, bevor man mit der Nachricht über ihren Verzicht auf den Parteivorsitz an die Öffentlichkeit ging. Merkel war wohl noch nicht einmal vom Tisch aufgestanden, da hatten die ersten die frohe Kunde schon an die Medien durchgestochen.

Nach Merkel scheint dennoch vor Merkel zu sein. Zumindest, so beschreibt es der ARD-Beitrag, war die Stimmung im CDU-Vorstand von Anfang an eindeutig pro Kramp-Karrenbauer.

Merz als gekänkter Racheengel

Annegret Kramp-Karrenbauer, die zeitgeistige „neue Konservative“, deren Mann zuhause blieb, damit sie als junge Mutter politische Karriere machen konnte. Die Vorreitern, die einst ganz im Sinne Merkels im Saarland eine Jamaika-Koalition einging, und sie dann, sehr zum Ärger Merkels, wieder platzen ließ. Die Kanzlerin soll AKK damals am Telefon regelrecht angeschrieen haben.

Aber auch Friedrich Merz, sonst aktuelles Lieblingsfeindbild vieler Journalisten, wird relativ fair behandelt. Natürlich können sich die Macher einige Klischees nicht verkneifen. Dazu ist das Bild vom gekränkten Rachengel, der Angela Merkel einst als Generalsekretärin empfohlen haben will, um später hinterrücks von ihr abgesägt zu werden, wohl zu verlockend. Auch Merz, der Lobbyist und Millionär, wird selbstverständlich ausführlich seziert. Der Beitrag verzichtet aber auf die sonst üblichen Vorverurteilungen und räumt Merz selbst reichlich Raum ein, sich zu den Kritikpunkten zu äußern.

Jens Spahn wird pflichtgemäß, aber durchaus berechtigt, als junger ehrgeiziger Merkel-Kritiker gezeigt. Anfangs selbst in der eigenen Fraktion kaum beachtet. Was sich schnell änderte, als er früher als manch anderer bemerkte, daß Kritik an der einst so übermächtigen Parteivorsitzenden einen nicht mehr den Kopf kostet, sondern sogar zum persönlichen Erfolg führen kann.

Friedrich Merz, Annegret Kramp-Karrenbauer udn Jens Spahn (v.l.n.r.) Foto: picture alliance/Geisler-Fotopress

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