Joachim Kuhs
Dschihadistinnen
Dschihadistinnen (Archivbild): Rund 80 deutsche Staatsangehörige in Gefangenschaft Foto: picture alliance / ZUMA Press

IS-Frauen
 

Kein Haftbefehl: Islamistinnen kehren mit Kindern nach Deutschland zurück

BERLIN. Zwei Dschihadistinnen sind am Donnerstag samt ihrer Kinder nach Deutschland zurückgekehrt. Die türkischstämmige Sibel H. aus Hessen und die Konvertitin Sabine S. aus Baden-Württemberg waren nach Syrien gereist und sollen sich dort nach Informationen der Welt der Terrormiliz Islamischer Staat angeschlossen haben.

Die beiden Frauen und ihre drei kleinen Kinder hätten die vergangenen Monate in einem kurdischen Gefängnis gesessen. Am Donnerstag nachmittag landete das Flugzeug aus Bagdad dem Bericht nach in Frankfurt am Main. Bei der Ankunft seien sie jedoch nicht wie geplant festgenommen worden, da derzeit keine Haftbefehle gegen die beiden Frauen vorlägen. Beamte des Bundeskriminalamts hätten sie lediglich durchsuchten.

Bundesgerichtshof verweigerte Haftbefehl

Zwar hatte die Bundesanwaltschaft Haftbefehle beantragt. Der Bundesgerichtshof hatte diese jedoch verweigert, da im Falle der beiden Frauen keine konkrete Terrormitgliedschaft oder Unterstützung bewiesen sei. Bei Sibel H. hatte die Staatsanwaltschaft dem Blatt zufolge bereits im vergangenen Jahr eine Beschwerde gegen die Entscheidung des Bundesgerichtshofs eingelegt, die Richter fällten aber bis Donnerstag noch kein abschließendes Urteil.

Die Frau war den Angaben nach bereits 2013 das erste Mal gemeinsam mit ihrem Mann Ali S. nach Syrien gereist. Als der Gatte kurze Zeit später getötet wurde, kehrte sie nach Deutschland zurück. Im März 2016 soll Sibel H. dann mit einem neuen Ehemann, dem Salafisten Deniz B., erneut nach Syrien gezogen sein. 2017 sei das Paar von nordirakischen Kampfverbänden aufgegriffen und in Erbil inhaftiert worden.

Derzeit sollen sich rund 80 deutsche Staatsangehörige, darunter viele Kinder und Frauen, in Nordsyrien und im Irak in Gefangenschaft befinden. Einige der IS-Anhänger, darunter Linda W. aus Sachsen und Lamia K., wurden vor Ort zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Taliban-Kämpfer mit Abschiebemaschine nach Deutschland geflogen

Unterdessen wurde bekannt, daß ein deutscher Taliban-Kämpfer mit einer Abschiebemaschine aus Afghanistan zurück nach Deutschland geflogen worden ist. Mit einem gecharterten Flugzeug waren am Dienstag zunächst 21 abgelehnte Asylbewerber, die meisten davon Straftäter oder Gefährder, von Nordrhein-Westfalen nach Kabul abgeschoben worden, berichtete die Bild-Zeitung.

Wenige Stunden später flog die Maschine dann zurück. Mit an Bord war Thomas K., der aus Afghanistan nach Deutschland abgeschoben wurde. Der 36jährige soll sich 2012 nach Pakistan abgesetzt haben und dort von den Taliban ausgebildet worden sein soll. Er sitzt dem Blatt zufolge in Untersuchungshaft.

Während die Charter-Kosten in Höhe von 129.500 Euro die EU-Grenzschutzagentur Frontex übernehmen solle, zahle der Bund die 40 Polizisten, einen Arzt und einen Dolmetscher. (ls)

Dschihadistinnen (Archivbild): Rund 80 deutsche Staatsangehörige in Gefangenschaft Foto: picture alliance / ZUMA Press
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