Lent-Kaserne im niedersächsischen Rotenburg Foto: picture alliance/dpa
Wehrmachtssoldaten als Namensgeber

Von der Leyen will Kasernen umbenennen

BERLIN. Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat angekündigt, Kasernen mit Namen von Wehrmachtssoldaten umbenennen zu lassen. „Wenn wir in den kommenden Monaten den 35 Jahre alten Traditionserlaß modernisieren, müssen wir auch an das Thema Kasernennamen ran“, sagte von der Leyen der Bild am Sonntag.

„Ich finde, die Bundeswehr muß nach innen und außen klar signalisieren, daß sie nicht in der Tradition der Wehrmacht steht.“ Gleichzeitig riet sie der Bundeswehr, sich stärker auf ihre eigene 60jährige Geschichte zu konzentrieren. „Warum nicht auch in Kasernennamen? Die Debatte wird jetzt im Lichte der aktuellen Ereignisse neu geführt werden.“

Rommel, Marseille, Lent

Betroffen von der Umbenennungsaktion könnten unter anderem die Marseille-Kaserne im schleswig-holsteinischen Appen-Uetersen (benannt nach dem Jagdflieger Hans-Joachim Marseille, abgestürzt 1942), die Lent-Kaserne in Rotenburg (benannt nach dem Nachtjäger Helmut Lent, abgestürzt 1944), zwei Generalfeldmarschall-Rommel-Kasernen in Dornstadt (Baden-Württemberg) und Augustdorf (Nordrhein-Westfalen), die General-Thomsen-Kaserne Stadum (Schleswig-Hostein) (benannt nach dem General Hermann von der Lieth-Thomsen, gestorben 1942, der zu den Mitbegründern der deutschen Luftwaffe zählt) und die General-Steinhoff-Kaserne (benannt nach Johannes Steinhoff, Oberst der Wehrmacht und später Generalleutnant und Inspekteur der Luftwaffe der Bundeswehr) in Berlin sein.

Ausnahmen dürfte es jedoch für Kasernen und Einrichtungen geben, die nach Mitgliedern des Widerstands gegen Hitler um Claus Schenk Graf von Stauffenberg benannt sind. Fraglich ist, wie von der Leyen mit einem der Gründungsväter der Bundeswehr, Adolf Heusinger, umgeht. In Hammelburg ist eine Kaserne nach dem General benannt, der am 20. Juli 1944 am Kartentisch neben Hitler stand, als dort die Bombe Stauffenbergs explodierte. Heusinger, der 1957 der erste Generalinspekteur der Bundeswehr wurde, gehörte nicht dem militärischen Widerstand gegen Hitler an.

Der Generalinspekteur der Bundeswehr, Volker Wieker, hatte am 5. Mai angeordnet, alle Liegenschaften der Bundeswehr mit Blick auf das Traditionsverständnis zur Wehrmacht zu untersuchen. Hintergrund ist der Fall der Fürstenberg-Kaserne in Donaueschingen. Hier waren bei einer Inspizierung mehrere Wehrmachtsdevotionalien aufgefallen. Mittlerweile hat von der Leyen angekündigt, den Traditionserlaß von 1982 überarbeiten zu lassen. Der Erlaß regelt unter anderem, wie die Bundeswehr mit ihrem militärischen Erbe umgeht. Das Dritte Reich und der Nationalsozialismus werden dabei explizit als Traditionsstifter ausgeschlossen, nicht aber einzelne Soldaten der Wehrmacht. (krk)

Lent-Kaserne im niedersächsischen Rotenburg Foto: picture alliance/dpa

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