Martin Schulz
Martin Schulz in umjubelter Pose (Symbolbild) Foto: picture alliance / Oliver Dietze/dpa/dpa
Martin Schulz

Jubelt! Der König hat Laune!

Die SPD gibt sich gerade alle Mühe, das Thema „Soziale Gerechtigkeit“ als ihr wiederentdecktes Steckenpferd auszugeben. Dabei fällt dem aufmerksamen Beobachter seit geraumer Zeit ein ganz anderer Fetisch der deutschen Sozialdemokraten auf: Applaus.

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) ließ sich bei Anne Will von seinem Pressesprecher beklatschen, und das Auswärtige Amt schnitt für ein Facebook-Video einer Rede des damaligen Dienstherren Frank-Walter Steinmeier (SPD) vor den Vereinten Nationen zustimmenden Applaus in eine Stelle, an der in Wirklichkeit keiner stattfand.

Aber persönliche Claqueure oder verfälschende Schnitttechnik, das reicht dem Kassiererinnenflüsterer und „kleinen Mann“ gefangen im Körper eines Technokraten-Millionärs, Martin Schulz, nicht aus: ganz der authentische Macher, heizt er der Menge persönlich ein.

Zudem darf es in Wahlkampfzeiten ruhig ein bißchen mehr sein als schlichtes Geklatsche. Und so forderte der Würselener Weinkenner vergangenes Wochenende auf einer Wahlkampfveranstaltung in Würzburg seinen ekstatischen Feiertroß kurzerhand auf, ihn mit „Martin“-Sprechchören noch ausschweifender zu zelebrieren.

Ein Messias entzaubert sich stets am deutlichsten, wenn er die Lobpreisungen durch seine Jünger selbst forcieren muß. Das Netz lacht. Und auch die eigenen Hände kribbeln, zucken, wollen sich ebenfalls betätigen: jedoch um Ohren und Augen zuzuhalten. Die mittlerweile schon gelangweilte Verwunderung über den konstruierten Schulz-Höhenflug weicht zunehmend einem Gefühl des Fremdschämens, das langsam körperlich schmerzt.

Martin Schulz in umjubelter Pose (Symbolbild) Foto: picture alliance / Oliver Dietze/dpa/dpa

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