Online-Petition

Grünen-Mitglied fordert Talkshow-Verbot für Rainer Wendt

BERLIN. Rainer Wendt ist für seine klaren Aussagen bekannt. Der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es darum geht, sicherheitspolitische Mißstände anzuprangern und die Polizei gegen Kritiker in Schutz zu nehmen.

Als Freund der deutlichen Sprache ist Wendt auch regelmäßig Gast in deutschen Talkshows. Erst am Montag knöpfte er sich bei „hart aber fair“ die Grünen-Politikerin Renate Künast vor. Anlaß war die Kritik von Grünen-Chefin Simone Peter am Einsatz der Polizei zu Silvester in Köln. Die Polizisten seien es leid, „daß Teile der Grünen nichts besseres zu tun haben als sie zu beschimpfen und ihnen Dinge zu unterstellen“, schimpfte Wendt.

Bereits zuvor hatte er Peters Kritik am Begriff „Nafri“ zurückgewiesen. Es handle sich dabei um einen internen Begriff, den Polizisten im Einsatz nutzten. Das sei nun mal ein Unterschied zu einem „sprachwissenschaftlichen Grünen-Seminar“.

„Keine Bühne mehr für Rainer Wendt“

Es ist nicht das erste mal, daß sich Wendt Spitzenpolitiker der Grünen vorknöpft. So nannte er beispielsweise den Fraktionschef der Grünen im Bundestag, Anton Hofreiter, einen „Scharfmacher“ und warf ihm „parlamentarischen Unfug“ vor.

Seine hohe mediale Präsenz dürfte deshalb so manchem Mitglied der Grünen ein Dorn im Auge sein. Wohl nicht zuletzt deswegen hat Oliver von Dobrowolski nun eine Online-Petition mit dem Titel „Keine Bühne mehr für Rainer Wendt (DPolG) – er spricht nicht für die ganze Polizei!“ gestartet Mit dieser wendet er sich „an die Medienschaffenden in Deutschland, insbesondere an die Rundfunkanstalten und Zeitungsredaktionen“.

Von Dobrowolski ist Kriminalbeamter in Berlin und Mitglied der Grünen. Zudem ist er zweiter Bundesvorsitzender von „PolizeiGrün“, einem Verein „grüner und grünennaher Polizeibediensteter“, der sich der „Förderung einer modernen und bürgerfreundlichen Polizei verschrieben“ hat.

„Unangebrachte Kriminalitätsfurcht“

Wendt, so klagt von Dobrowolski, habe es in den vergangenen Jahren „ zu einer gewissen Omnipräsenz in den deutschen Medien gebracht“. Seines Botschaften seien teils „drastisch“, kritisiert von Dobrowolski. „Die Thesen des Herrn Wendt stehen im Widerspruch zu der tatsächlichen Sicherheitslage in unserem Land und erzeugen in der Bevölkerung ein falsches Bild der vorhandenen Bedrohung. Sie sind somit geeignet, eine unangebrachte Kriminalitätsfurcht zu entwickeln.“

Die Petition wolle daher Journalisten und Medienvertreter darauf hinweisen, daß es auch Alternativen zu Wendt gebe, zum Beispiel Vertreter anderer Gewerkschaften oder aber auch fachpolitische Sprecher von Parteien und Fraktionen. Die mehr oder weniger versteckte Botschaft hinter der Petition: Ladet doch auch mal uns ein, und nicht immer den Wendt.

Letzterer reagiert belustigt auf den Aufruf. „Ich habe herzhaft darüber gelacht, als ich das gelesen habe“, sagte Wendt der JUNGEN FREIHEIT. „Glücklicherweise haben wir in Deutschland eine freie Presse und freie Redaktionen, die selbst darüber entscheiden können, wen sie in Sendungen einladen und wen nicht. Ich glaube nicht, daß diese für ihre Arbeit solche Ratschläge brauchen.“ (krk)

DPolG-Chef Rainer Wendt bei „hart aber fair“ Foto: picture alliance/dpa

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