Politische Korrektheit und Vergewaltigungen

Wenn Täter die falsche Herkunft haben

Muß man Vergewaltigungen, sexuelle Übergriffe und Belästigungen von Einwanderern vertuschen, um keinen Rassismus zu provozieren? Zwei Fälle aus Baden-Württemberg und Hessen zeigen, welche bizarren und gefährlichen Blüten die politische Korrektheit mittlerweile treibt.

Fall 1: Die Linkspartei-Politikerin und die Araber

„Gutmensch. Linksversifft. Einhorn“: So beschreibt sich die Sprecherin der Linksjugend Solid, Selin Gören, auf ihren Facebook-Profil. Auf ihr scharf linkes Weltbild läßt die 24 Jahre alte Nachwuchspolitikerin und „vegane Antifaschistin“ nichts kommen. Auch nicht, als sie am 27. Januar von drei arabisch aussehenden Männern auf einem Kinderspielplatz vergewaltigt wird.

Geschockt ruft sie die Polizei. Als der Beamte sie fragt, ob die Täter Flüchtlinge gewesen seien, meldet sich Görens linkes Gewissen. Anstatt die Wahrheit über die Täter zu sagen und das arabische Aussehen zu erwähnen, spricht die Linkspolitikerin von einer gemischten Gruppe aus Deutschen und Ausländern, die Deutsch gesprochen hätten. Ihre Lüge sei eine „Kurzschlußreaktion“ gewesen, verrät sie nun dem Spiegel.

Aber nicht nur das. Nach der Vergewaltigung habe sie immer wieder an brennende Flüchtlingsheime denken müssen, an die angebliche Hetze gegen Einwanderer nach den Kölner Sex-Attacken und an eine Kundgebung, auf der sie zum Kampf gegen Rassismus und Sexismus aufgerufen habe. Wozu war sie auf vielen „Refugees Welcome“-Veranstaltungen? Damit nun „Rassisten“ ihre Geschichte mißbrauchen?

Erst als Bekannte und ihr Freund sie ermuntern, die Wahrheit zu sagen, meldet sich Gören wieder bei der Polizei. Doch auch danach meldet sich das schlechte Gewissen. Auf Facebook schreibt die junge Frau eine Art Entschuldigungs- und Dankbarkeitsschreiben, das mit den Worten „Lieber männlicher Geflüchteter“ beginnt und mit den Worten „Danke, daß es dich gibt – und schön, daß du da bist“ endet.

Der Text bleibt nicht lange sichtbar, hat sich allerdings längst im Internet verbreitet:

Lieber männlicher Geflüchteter, vermutlich in meinem Alter. Vermutlich ein paar Jahre jünger. Ein bißchen älter. Es tut mir so unfaßbar Leid! Vor fast einem Jahr habe ich die Hölle gesehen, aus der du geflohen bist. Ich war nicht direkt am Brandherd, aber ich habe die Menschen in dem Flüchtlingslager in Südkurdistan besucht. Habe alte Großmütter gesehen, die sich um zu viele elternlose Kinder kümmern müssen. Ich habe die Augen dieser Kinder gesehen, einige haben ihr Leuchten nicht verloren. Ich habe aber auch die Kinder gesehen, deren Blick leer und traumatisierend war.

Ich habe mir von ca. 20 ezidischen Kindern in ihrem Matheunterricht arabische Schriftzeichen zeigen lassen und weiß noch, wie ein kleines Mädchen angefangen hat zu weinen, nur weil ein Stuhl umfiel. Ich habe einen Hauch der Hölle gesehen, aus der du geflohen bist. Ich habe nicht gesehen, was davor geschehen ist und auch deine strapaziöse Flucht habe ich nicht miterleben müssen. Ich bin froh und glücklich, daß du es hierher geschafft hast. Das du den IS und seinen Krieg hinter dir lassen konntest und nicht im Mittelmeer ertrunken bist. Aber ich fürchte, du bist hier nicht sicher.

Brennende Flüchtlingsunterkünfte, tätliche Angriffe auf Refugees und ein brauner Mob, der durch die Straßen zieht. Ich habe immer dagegen angekämpft, daß es hier so ist. Ich wollte ein offenes Europa, ein freundliches. Eins, in dem ich gerne leben kann und eins, in dem wir beide sicher sind. Es tut mir Leid. Für uns beide tut es mir so unglaublich Leid. Du, du bist nicht sicher, weil wir in einer rassistischen Gesellschaft leben. Ich, ich bin nicht sicher, weil wir in einer sexistischen Gesellschaft leben. Aber was mir wirklich Leid tut ist der Umstand, daß die sexistischen und grenzüberschreitenden Handlungen die mir angetan wurden nur dazu beitragen, daß du zunehmendem und immer aggressiverem Rassismus ausgesetzt bist.

Ich verspreche dir, ich werde schreien. Ich werde nicht zulassen, daß es weiter geschieht. Ich werde nicht tatenlos zusehen und es geschehen lassen, daß Rassisten und besorgte Bürger dich als das Problem benennen. Du bist nicht das Problem. Du bist überhaupt kein Problem. Du bist meistens ein wunderbarer Mensch, der es genauso wie jeder andere verdient hat, sicher und frei zu sein. Danke, daß es dich gibt – und schön, daß du da bist.

Gegenüber dem Spiegel beharrt Gören auf ihre Deutung der Ereignisse. „Das Problem ist doch die sexistische patriarchalische Gesellschaft.“ Dennoch habe sie nun Angst vor Arabern. Auf einen Kongreß der Linksjugend flüchtete sie vor einem aus Syrien stammenden Bekannten, weil er sie an ihren Vergewaltiger erinnerte.

Fall 2: Schülerinnen in der Falle der politischen Korrektheit

Über Tage und Wochen hinweg wurden in Kassel Schülerinnen auf dem Heimweg als „Huren“ beschimpft und belästigt. Immer wieder hatten die „südländisch aussehenden“ Männer die jungen Frauen zwischen die Beine und an den Po gefaßt, berichtete ein Opfer. „Einmal sind an einer Tramhaltestelle sieben Männer auf mich zugekommen und haben dabei ‘Frau, Frau, Frau’ gerufen. Das empfand ich schon als sehr bedrohlich“, sagte eine der Schülerinnen. Es vergehe kaum ein Tag ohne Übergriffe. Mittlerweile würden viele Mädchen öffentliche Verkehrsmittel meiden.

Dennoch verschweigen die 16 bis 18 Jahre alten Mädchen die Demütigungen lange Zeit. Der Grund: „Wir möchten nicht, daß Flüchtlinge diskriminiert werden, wir möchten keine Menschen pauschal beschuldigen und auf keinen Fall böses Blut schüren.“ Die politische Korrektheit habe sie gelähmt. Als es nicht mehr auszuhalten ist, gehen sie zur Polizei.

Danach bestätigt auch der örtliche Arbeitskreis „Gemeinsam gegen sexuelle Gewalt aktiv“, daß die Situation zu eskalieren drohe. „Ja, wir haben mit den Flüchtlingen leider auch ein Riesenpaket an sexualisierter Gewalt von Männern dazu bekommen“, sagt Sprecherin Steffi Burmeister.

Die Täter kämen zumeist „aus Kulturkreisen mit einem anderen Frauenbild, sie sind allein und suchen nach einer Zeit der Flucht, der Angst und Erniedrigung unter Umständen so männliche Bestätigung“.

Dies könne jedoch keine Entschuldigung für die Taten sein, betont Burmeister. „Wir müssen Übergriffe öffentlich machen, auch mit der Gefahr, damit den Rechten zuzuspielen.“ Sie schlußfolgert: Letztlich müssen die Männer umerzogen werden.“

Sexueller Übergriff (Symbolfoto) Foto: picture alliance/maxppp

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