Illegale Einwanderer in Libyen
Illegale Einwanderer in Libyen Foto: dpa

Schlepper-Routen
 

In Libyen warten bereits 200.000 Asylsuchende

BERLIN. Der Zustrom von Asylsuchenden über das Mittelmeer in die EU könnte in den kommenden Monaten deutlich zunehmen. Insgesamt sollen in den Küstenstädten Libyens bereits bis zu 200.000 Personen auf eine Überfahrt in Richtung Italien warten, berichtet die Welt unter Berufung auf mehrere Geheimdienste.

Derzeit halte nur das vergleichsweise schlechte Wetter die Asylsuchenden von einem Aufbruch ab. Vor allem Personen aus Eritrea, Nigeria und Somalia sollen in dem zerrütteten Land warten. Doch steige auch die Zahl der Syrer derzeit an. Experten warnen zudem davor, daß Schlepper auf der Suche nach neuen Routen sein. Sollte etwa die sogenannte „Balkanroute“ gesperrt werden, sei damit zu rechnen, daß die Asylsuchenden über das Schwarze Meer oder von Albanien aus in die EU einreisen.

De Maizière empört über Durchwink-Politik

Unterdessen zeigte sich Innenminister Thomas de Maizière (CDU) unzufrieden damit, daß andere EU-Staaten Asylbewerber direkt nach Deutschland weitertransportieren wollen. „Wenn andere glauben, zusätzlich Lasten auf Deutschland abzuladen, werden wir das auf Dauer nicht hinnehmen“, sagte der Innenminister am Sonntag im ARD- „Bericht aus Berlin“.

In der vergangenen Woche hatten sich die Staaten der Balkanroute darauf geeinigt, Asylsuchende mit Zügen künftig direkt nach Deutschland weiterzuleiten. Künftig sollen Asylbewerber nur noch an der griechisch-mazedonischen Grenze erkennungsdienstlich behandelt werden. Danach sollen sie mit Zügen direkt in die Bundesrepublik gebracht werden. „Unser Ziel ist es, den Transfer der Flüchtlinge von Griechenland nach Mazedonien und später nach Österreich so schmerzlos wie möglich zu machen“, sagte der kroatische Polizeidirektor Vlado Dominić.

Laschet droht östlichen EU-Staaten

Der stellvertretende CDU-Vorsitzende Armin Laschet warf Österreich deswegen vor, die Regierung in Wien wolle „quasi die Menschen in andere Länder durchwinken“. Im „Idealzustand“ müsse das Asylverfahren dort stattfinden, „wo man in der EU ankommt, und dann müßte es eine gerechte Verteilung geben“, forderte Laschet gegenüber der Welt.

Empört zeigte sich der CDU-Vize über den Widerstand aus den östlichen EU-Staaten gegen die Asylpolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel. „Ich bin über die mittel- und osteuropäischen Staaten enttäuscht, daß sie 25 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und der Öffnung der Grenzen nicht stärker bereit sind, europäisch zu denken.“ Diese Staaten würden darunter leiden, wenn Deutschland seine Grenzen schließe. „Gerade diese Länder haben Milliardenhilfen von der EU bekommen, und es wird immer schwerer, der deutschen Öffentlichkeit zu erklären, daß wir solidarisch sein sollen und andere nicht.“ (ho)