Klaus-Rüdiger Mai Die Zukunft gestalten wir!
Pegida
Pegida-Demonstration am 12. Januar 2015: Die Türkei mischt sich ein Foto: JF/FA

Islamisierung
 

Türkischer Ministerpräsident vergleicht Pegida und IS

BERLIN. Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu hat Parallelen zwischen Pegida und der Terrorvereinigung Islamischer Staat (IS) gezogen. Der IS habe in Mossul die Kirchen zerstört mit der Begründung, dies sei eine Stadt nur für Moslems. „Das ist dieselbe Logik, wie die von Pegida, daß Deutschland nur den Christen gehöre“, sagte Davutoglu der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Beide Haltungen würden „eine mittelalterliche Mentalität“ ausdrücken. Die Türkei sei „sehr besorgt über Pegida“, kritisierte der neue Regierungschef. Diese Bewegung strebe „eine exklusive christliche Gesellschaft“ an. Dies sei „nicht nur eine Bedrohung für Türken und Muslime, sondern auch für Deutschland selbst“. Wie nach der Weltwirtschaftskrise 1929 suche man in Deutschland die Schuld bei Minderheiten. „Das ist genau die Mentalität von IS.“

Kurden werfen Ankara doppeltes Spiel vor

Wie sein Amtsvorgänger Reccep Tayyip Erdogan, den jetzigen türkischen Präsidenten, verlangte Davutoglu ein militärisches Vorgehen gegen die syrische Regierung. „Der Kampf gegen den Terror ist keine Alternative zum Kampf gegen ein brutales Regime.“ Würde man nur den IS bekämpfen, „bliebe er in der Türkei“. Denn in der Türkei würden anderthalb Millionen syrische Kriegsflüchtlinge leben, so die Argumentation des Regierungschefs.

Scharfe Kritik am Besuch des türkischen Ministerpräsidenten übte die Kurdische Gemeinde Deutschland. „Während deutsche Soldaten mit Patriot-Raketen die türkische Grenze vor Syrien beschützen, hat sich die Türkei zu einem der größten Kriegstreiber in Syrien entwickelt“, kritisierte Bundesvorsitzender Ali Ertan Toprak die Haltung von Davutoglu. Er warf der türkischen Regierung ein doppeltes Spiel mit der heimlichen Unterstützung des IS vor.

Mit dem offen erklärten Ziel, die syrische Regierung zu stürzen und neo-osmanische Interessen durchzusetzen, „gewährt die türkische Regierung den Djihadisten aus Europa einen ungehinderten Transit nach Syrien“. Die tatsächlichen Kriegsbelastungen werden dabei mit ausländischer Hilfe von den Kurden in der Türkei selbst getragen. „Ankara hingegen hat sich entgegen anderslautenden propagandistischen Verlautbarungen bisher der Verantwortung gegenüber den kurdischen Flüchtlingen entzogen.“ (FA)

Pegida-Demonstration am 12. Januar 2015: Die Türkei mischt sich ein Foto: JF/FA
Probeabo JF 2021 Gratis lesen

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat: Unterstützen Sie die JF mit einer Spende.

Der nächste Beitrag

ähnliche Themen
aktuelles