Spenden für Obdachlose

„Mal die eigenen Leute unterstützen“

Sven Schindler ist enttäuscht. Der 33 Jahre alte Chemnitzer kann das Verhalten der Bahnhofsmission einfach nicht nachvollziehen. „Da freut man sich, etwas Gutes tun zu können und zu helfen. Und dann so etwas“, erzählt er der JUNGEN FREIHEIT.

Alles hatte vor einigen Wochen begonnen. „Wir hatten im Bekanntenkreis überlegt, wie man Obdachlosen helfen kann. Vieles konzentriert sich ja derzeit vor allem auf Flüchtlinge, und wir hatten das Gefühl, daß die eigenen Obdachlosen dabei Gefahr laufen, hinten runterzufallen.“

Zahlreiche Spenden kamen zusammen

Im Internet suchte er nach Möglichkeiten zu helfen und stieß auf die Chemnitzer Bahnhofsmission. Dort hieß es, man wolle an Heiligabend für Obdachlose und Bedürftige eine Weihnachtsfeier veranstalten und benötige noch Spenden wie Mützen, Schals, Kaffee, Stollen, Gebäck und andere Dinge. Schindler startete daraufhin einen Spendenaufruf auf Facebook. Mit Erfolg. In den Tagen darauf sammelten er und andere zahlreiche Spenden. Auch Kinderspielzeug und Malbücher, da es hieß, hierfür bestehe ebenfalls Bedarf.

Am vergangenen Sonnabend war es dann soweit. Gemeinsam brachten sie die Spenden zur Bahnhofsmission. Gut zwei Autoladungen waren zusammengekommen. Bei der Übergabe machte Schindler deutlich, daß die Spenden für die Obdachlosen gedacht seien. Doch dann erfuhr er über das Internet, daß der Leiter der Bahnhofsmission, Alfred Mucha, ankündigte, die Sachen an den „Chemnitzer Willkommensverein“ weiterzugeben. Ohne zu fragen, ob dies den Spendern recht sei, denn schließlich hatten sie explizit für Obdachlose gesammelt.

„Mir ging es um die Hilfe für die Obdachlosen“

Die Mission unterscheide aber nicht zwischen Religion, Herkunft oder Nationalität der Hilfsbedürftigen, argumentierte Mucha. Beim Willkommensverein sehe man derzeit den größten Hilfebedarf. „Sollte dies nicht in Eurem Interesse sein, so bitten wir Euch, die gespendeten Sachen bis Freitag wieder abzuholen.“

Geschrieben hatte das Mucha der Facebook-Gruppe „Zschopa sagt: Nein zum Heim“, die sich ebenfalls an der Sammlung beteiligt hatte. Die Initiative wehrt sich gegen die Unterbringung von Asylsuchenden in der Erzgebirgestadt. Kritiker werfen der Gruppe Fremdenfeindlichkeit vor. Gegenüber der JF wollte sich Mucha zu dem Fall nicht äußern.

Schindler war die politische Ausrichtung der Spender egal. „Mir ging es um die Hilfe für die Obdachlosen. Ob diejenigen, die spenden, nun links oder rechts sind, ist mir egal.“ Die Spenden will Schindler nun wieder abholen und auf andere Weise Obdachlosen und Hilfsbedürftigen aus der Region zukommen lassen. Das Ganze sei nicht gegen Asylsuchende gerichtet, betonte er. „Wir wollen aber bei allem Engagement für Flüchtlinge auch mal die eigenen Leute unterstützen, wenigstens an Heiligabend.“


Obdachloser in Leipzig Foto: picture alliance/dpa

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