Predigt

Islamkritik: Staatsanwalt ermittelt gegen Pastor

BREMEN. Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen wegen des Anfangsverdachts der Volksverhetzung gegen den evangelischen Pastor Olaf Latzel eingeleitet. Dem Seelsorger der als konservativ geltenden St.-Martini-Gemeinde in Bremen wird vorgeworfen, in seiner Predigt am 18. Januar Moslems beleidigt zu haben. Man ermittele „auch in Richtung Volksverhetzung“, bestätigte die Staatsanwaltschaft gegenüber Radio Bremen. Latzel hatte in seiner Predigt davor gewarnt, die Unterschiede der Religionen zu verwischen.

„Es gibt nur einen wahren Gott. Wir können keine Gemeinsamkeit mit dem Islam haben. Das ist Sünde. Das darf nicht sein. Davon müssen wir uns reinigen. Der Islam gehört nicht zu Deutschland“, predigte Latzel. Scharfe Kritik kam von der Bremischen Evangelischen Kirche. Latzel betreibe „geistige Brandstiftung“, sagte deren Schriftführer Renke Brahms: „Die Formulierungen sind unerträglich und dazu geeignet, Gewalt gegen Fremde, Andersgläubige oder Asylbewerbern Vorschub zu leisten.“ Kirchensprecherin Jeanette Querfurt verurteilte die Äußerungen als nicht mit dem evangelischen Glauben übereinstimmend: „Hier wird Hass gepredigt!“

SPD, Linkspartei und Grüne verurteilen Predigt

Scharfe Kritik an der Predigt kam auch aus der Politik. „Hier wird zum Religionskampf aufgerufen“, warnte Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD). „Das ist nicht das, was wir für den sozialen Frieden in unserer Stadt brauchen“. Die Bremer Abgeordnete Kristina Vogt (Linkspartei) nannte gegenüber Radio Bremen Latzels Mahnung „eine intolerante Predigt“. Vor allem vor dem Hintergrund der von der Kirche mitorganisierten Demonstration „Bremen ist bunt“ seien solche Predigten „besonders problematisch“, ergänzte der Abgeordnete Matthias Güldner (Grüne).

Brahms’ Stellvertreter, Pastor Bernd Kuschnerus, zeigte sich in der Sendung „buten un binnen“ „sehr erschüttert und traurig“. Latzel habe sich sehr im Ton vergriffen. Allerdings könne man Latzel nicht disziplinarisch maßregeln, da die Kirchengemeinden in Bremen autonom über ihre Pastoren entscheiden. Latzel selbst, dessen Gottesdienste laut der evangelischen Nachrichtenagentur idea regelmäßig von rund dreihundert Gläubigen besucht werden, verteidigte seine Haltung. Er predige nicht gegen Moslems, lege aber Wert auf die Feststellung: „Es gibt nur einen Weg zu Jesus Christus.“ (FA)

> Die Rede von Pastor Olaf Latzel vom 18. Januar 2015 im Internet.

St.-Martini-Kirche in Bremen: Warnung vor dem Islam Foto: picture alliance / Westend61

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