Bernd Lucke, Peter Gauweiler und Bettina Röhl
Bernd Lucke, Peter Gauweiler und Bettina Röhl: Kein echter Streit Foto: ms

Podiumsdiskussion
 

Lucke gegen Gauweiler: Duell auf Sparflamme

BERLIN. Peter Gauweiler hat Bernd Lucke viel zu verdanken. Ohne die von dem Hamburger Wirtschaftswissenschaftler mitgegründete Alternative für Deutschland (AfD) wäre der Münchner Bundestagsabgeordnete vermutlich niemals CSU-Vize geworden. Doch weil sich Parteichef Horst Seehofer angesichts des Zuspruches, den die AfD mit ihrer Kritik an der Euro-Rettungspolitik bei der Bundestagswahl erntete, etwas einfallen lassen mußte, ließ er den Euro-Skeptiker Gauweiler Ende vergangenen Jahres zum Parteivize wählen.  Zwei Jahre zuvor war dem einstigen bayerischen Umweltminister dieser Karrieresprung noch versagt geblieben.

Am Mittwoch abend nun trafen Lucke und Gauweiler in Berlin beim Forum Demokratie der Initiative Bürgerrecht Direkte Demokratie aufeinander. Doch wer einen harten Schlagabtausch zwischen dem Politikneuling Lucke und dem altgedienten Politprofi Gauweiler erwartet hatte, wurde enttäuscht.

Kaum Widerspruch zwischen den Diskussionsteilnehmern

Felix Krautkrämer – Aufstieg und Etablierung der Alternative für Deutschland
Felix Krautkrämer – Aufstieg und Etablierung der Alternative für Deutschland

Die beiden – und mit ihnen die ebenfalls auf dem Podium sitzende DDR-Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld (CDU) und der Chef der FDP-Fraktion im niedersächsischen Landtag, Christian Dürr, – waren sich weitgehend einig. Bei dem Thema der Veranstaltung, „Bürgerbeteiligung in Europa“, war dies vielleicht auch kein Wunder. Denn welcher Politiker wird schon freiwillige vor Publikum fordern, daß die Mitspracherechte der Bürger möglichst knapp gehalten werden sollten?

Und so wollte auch niemand der als Veranstalterin auftretenden CDU-Politikerin Lengsfeld widersprechen: „Demokratie funktioniert am besten, wenn sich möglichst viele in ihre eigenen Angelegenheiten einmischen“, hatte sie eingangs ihre Erfahrungen der Revolution in der DDR 1989 zusammengefaßt. Lediglich in Detailfragen, wie denn die von allen gewünschte Ausweitung der Bürgerbeteiligung aussehen könnte, gab es Meinungsverschiedenheiten.

Leichter Vorteil für Gauweiler

Ein Duell lieferten sich die einträchtig nebeneinandersitzenden Lucke und Gauweiler dann doch noch:  Wer trifft den Nerv des, wie Gauweiler mit feiner Ironie feststellte, „leicht EU-skeptischen“ Publikums am besten? Hier konnte der CSU-Politiker seine jahrzehntelangen Bierzelterfahrungen ausspielen.  Die zuspitzende Vereinfachung („Wir wollen kein neues Zentralkomitee in Brüssel“) ging ihm merklich leichter über die Lippen als Lucke, der zu schnell ins faktengesättigte Dozieren abglitt.

Vielleicht hätte eine etwas versiertere Moderatorin als die Journalistin Bettina Röhl, die sich darauf konzentrierte, ihre vorbereiteten Fragen abzuarbeiten, die beiden  Protagonisten durch eine geschickte Gesprächsführung aus der Deckung des seichten Mitbestimmungsthemas hin zur offenen Feldschlacht um die Euro-Rettungpolitik führen können. Doch diese Chance verstrich an diesem Abend ungenutzt.

Ach ja, bedankt hat sich Gauweiler am Ende dann doch nicht bei Lucke. (ms)

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