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Fall Priebke
 

Fall Priebke: Bundesregierung hofft auf Ende im Begräbnisstreit

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Proteste gegen die Trauerfeier für den ehemaligen Waffen-SS-Offizier Erich Priebke in Rom Foto: picture alliance/INFOPHOTO

BERLIN. Die Bundesregierung hat sich in den Streit um die Beisetzung des früheren Offiziers der Waffen-SS, Erich Priebke, eingeschaltet. Es gebe grundsätzlich keine gesetzlichen Regelungen, die der Beisetzung eines deutschen Staatsbürgers in Deutschland entgegenstehen, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes am Mittwoch in Berlin. Allerdings könnten kommunale Friedhofsordnungen im Einzelfall gegen eine Beerdigung sprechen. Darauf könne die Bundesregierung jedoch keinen Einfluß nehmen.

Priebke war am Freitag vergangener Woche im Alter von Einhundert Jahren im Hausarrest in Rom gestorben. Er war 1998 in Italien wegen der Beteiligung an einem Massaker an italienischen Zivilisten im Zweiten Weltkrieg zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

Argentinien und Heimatort Henningsdorf lehnen ab

Die Erschießung der über 300 italienischen Zivilisten war eine Vergeltungsmaßnahme für ein Attentat von Partisanen, bei dem zuvor über dreißig Angehörige eines deutschen Polizeiregiments getötet worden waren. Priebke soll zwei Zivilisten erschossen haben.

Sowohl Argentinien, in das Priebke ausgewandert war, als auch seine Heimatstadt Hennigsdorf haben eine Beisetzung abgelehnt. Die brandenburgische Stadt begründete ihre Ablehnung mit Verweis auf die Friedhofsordnung, nach der dort nur Einwohner von Hennigsdorf beerdigt werden könnten.

Beerdigung auf Soldatenfriedhof kommt nicht in Betracht

Die Beisetzung Priebkes auf einem Soldatenfriedhof kommt nach Ansicht der Bundesregierung nicht in Betracht, da diese nur für Gefallene der Weltkriege vorgesehen seien. „Ich kann nicht erkennen, weshalb in diesem Fall für eine Person, die vor wenigen Tagen gestorben ist, ein Soldatenfriedhof in Betracht kommt“, sagte der Sprecher.

Die Bundesregierung habe im übrigen kein Interesse daran, daß der Streit um die Beisetzung Priebkes zu einer Auseinandersetzung um das ganze Leben dieses Mannes werde. „Es wäre schön, wenn Herr Priebke irgendwo seine Ruhe finden könnte, ohne daß daraus – von welcher Seite auch immer – irgendein politischer Nutzen gezogen würde“, verdeutlichte der Sprecher.

Der Chef der Piratenfraktion im Berliner Abgeordntenhaus, Oliver Höfinghoff, schrieb auf dem Kurznachrichtendienst Twitter zur Debatte um den Beerdigungsort: „Priebke ins Klo”. (ms)

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