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Zwickauer Terrorzelle
 

Zwickauer Terrorzelle: Bundesanwaltschaft weist Spekulationen zurück

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Die im Wohnmobil in Eisenach gefundenen Waffen Foto: BKA

BERLIN. Die Bundesanwaltschaft hat neuen Spekulationen im Fall der Zwickauer Terrorzelle zurückgewiesen. Hintergrund ist ein Zeitungsbericht, der unter anderem Fragen zum mutmaßlichen Bekennervideo des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) aufgeworfen hatte.

So waren am 5. November 2011 im Wohnmobil in Eisenach, in dem sich die beiden mutmaßlichen Täter Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt laut Ermittlungsbehörden einen Tag zuvor das Leben genommen hatten, auch ein Rucksack sichergestellt worden. In diesem befanden sich neben mehr als 23.000 Euro aus einem Banküberfall in Arnstadt einige Wochen zuvor auch mehrere Packungen Patronen.

DVDs wurden erst einen Monat später entdeckt

Nach Recherchen des Journalisten Andreas Förster wies der Rucksack trotz des Brandes im Wohnmobil keine Schmutzspuren auf – anders als das Bett auf dem er gefunden wurde. Dort waren deutliche Spuren des Brandes zu sehen, die offenbar durch ein geschmolzenes Plexiglasfenster verursacht worden waren.

Neben dem Geld und den Patronen fand die Polizei noch etwas anderes in dem Rucksack – allerdings erst einen Monat später. Laut der Ermittlungsakte hätten Polizisten am 1. Dezember noch sechs DVDs mit dem mutmaßlichen Bekennervideo des NSU gefunden. Diese hätten in einer Innentasche gesteckt.

Die Bundesanwaltschaft bestätigte gegenüber der JUNGEN FREIHEIT den Vorgang. Hierfür gebe es laut dem Sprecher der Behörde aber durchaus eine Erklärung. Während Geld und Patronen bei einer ersten Sichtung des Rucksacks gefunden wurden, seien die DVDs erst im Zuge der von der Bundesanwaltschaft zu einem späteren Zeitpunkt angeordneten endgültigen fotographischen Dokumentation der Beweisstücke aus dem Wohnmobil entdeckt worden.

Zahlreiche Waffen im Wohnmobil

Die Bundesanwaltschaft hatte am 11. November vergangenen Jahres die Ermittlungen im Fall der Zwickauer Terrorzelle übernommen, nachdem im Schutt der früheren gemeinsamen Wohnung des Trios in Zwickau Hinweise, darunter auch ein Exemplar des NSU-Videos, gefunden worden waren, die auf rechtsextremistische Motivation der Mordserie hindeuteten.

Der Gruppierung werden unter andrem zehn Morde an ausländischen Kleinunternehmern und einer Polizistin sowie zahlreiche Bankraube zur Last gelegt. Mundlos und Böhnhardt waren am 4. November 2011 nach einem Banküberfall in Eisenach von zwei Polizisten in ihrem Wohnmobil entdeckt worden.

Daraufhin soll Mundlos den Ermittlungen zufolge zuerst Böhnhardt erschossen und sich dann, nachdem er das Wohnmobil in Brand gesetzt hatte, selbst gerichtet haben. In dem Wohnmobil fanden sich später acht Waffen, darunter auch die Dienstwaffe der 2007 ermordeten Polizistin Michèle Kiesewetter sowie eine Maschinenpistole.

Weitere Unklarheiten

Nachdem ihre mutmaßliche Komplizin, Beate Zschäpe, von dem Tod der beiden erfuhr, soll sie die gemeinsame Wohnung in Zwickau in Brand gesteckt haben. Vier Tage später stellte sie sich der Polizei. Wie Zschäpe von den Ereignissen in Eisenach erfuhr, können die Ermittler bislang nicht sagen.

Einen Anruf von Mundlos oder Böhnhardt erhielt sie offenbar nicht. Eine mögliche Erklärung wäre aber, daß sie über die Medien davon informiert wurde. Im Beschluß des Bundesgerichtshofs von Ende Februar zur Beschwerde Zschäpes gegen ihren Haftbefehl heißt es dazu nur, sie sei „von diesen Ereignissen auf unbekanntem Wege in Kenntnis gesetzt“ worden. (krk)

> Ein ausführlicher Bericht zur Zwickauer Terrorzelle erscheint in der kommenden Ausgabe der JF (50/12)

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