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Buchveröffentlichung
 

Politiker empören sich über Sarrazins Euro-Kritik

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Thilo Sarrazin sorgt auch mit seinem neuen Buch für Wirbel Foto: rg

BERLIN. Mit Empörung haben Politiker aller Parteien auf die Kritik Thilo Sarrazins am politischen Kurs zur Euro-Rettung reagiert. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) warf dem früheren Bundesbank-Vorstand in der Bild am Sonntag vor: „Entweder redet und schreibt Sarrazin aus Überzeugung einen himmelschreienden Blödsinn oder er macht es mit einem verachtenswerten Kalkül.“

Hintergrund ist das am Dienstag erscheinende neue Buch von Sarrazin: „Europa braucht den Euro nicht. Wie uns politisches Wunschdenken in die Krise geführt hat.“

Darin schreibt Sarrazin laut Vorabauszügen im Focus unter anderem, die Politik sei getrieben von dem „Reflex, wonach die Buße für Holocaust und Weltkrieg erst endgültig getan ist, wenn wir alle unsere Belange, auch unser Geld, in europäische Hände gelegt haben“.

„D-Mark-Chauvinismus“

Der Euro sei zur Ideologie erhoben worden. Dabei hingen der Wohlstand und der Frieden in Europa nicht mit der gemeinsamen Währung zusammen. Im Gegenteil, seit der Einführung des Euros verschlechtere sich das politische Klima unter den einzelnen Mitgliedsstaaten.

Der Fraktionschef der Grünen im Bundestag, Jürgen Trittin, warf Sarrazin daraufhin „D-Mark-Chauvinismus“ vor. „Sarrazin rutscht immer weiter nach rechts ins Abseits. Es ist erbärmlich, daß er den Holocaust heranzieht, um seinen Thesen zu Eurobonds größtmögliche Aufmerksamkeit zu sichern“, sagte Trittin der Welt. Geld zum Erhalt des Euros auszugeben, sei für Deutschland eine lohnende Investition.

FDP-Generalsekretär Patrick Döhring hielt Sarrzin vor, die Frage der historischen Verantwortung Deutschlands unzulässig mit der aktuellen währungspolitischen Debatte zu verknüpfen und kritisierte, daß Sarrazin am Sonntagabend zur ARD-Sendung „Günter Jauch“ eingeladen worden war. „Das hat im öffentlich-rechtlichen Fernsehen nichts zu suchen“, monierte Döhring gegenüber der Bild am Sonntag.

„Nationalistischer Unsinn“

Ähnlich äußerte sich die Fraktionschefin der Grünen im Bundestag, Renate Künast: „Nationalistischer Unsinn von Sarrazin paßt nicht zum Bildungsauftrag eines öffentlich-rechtlichen Senders.“

Der SPD-Bundestagsabgeordnete und Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Reinhold Robbe, meinte: „Das ist so schwachsinnig, daß man darüber gar nicht diskutieren sollte. Mit Sarrazin sollte sich niemand mehr in eine Talkshow setzen.“

Die kurdischstämmige Publizistin Mely Kiyak nannte Sarrazin in einer Kolumne in der Frankfurter Rundschau eine „lispelnde, stotternde, zuckende Menschenkarikatur“. Jauch verplempere Fernsehgebühren, damit Sarrazin das tun dürfe, was er am besten könne; „das niedrigste im Menschen anzusprechen“. (krk)

> Sarrazins Buch „Europa braucht den Euro nicht“ im JF-Buchdienst

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