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Fernsehballett

„Geschmacklose Aktion“
 

DDR-Opfer kritisieren Deutsches Fernsehballett

Fernsehballett
Internetseite des Fernsehballetts mit Tänzerinnen in FDJ- und DDR-Fahnen Ausschnitt: JF

BERLIN. Die Vereinigung der Opfer des Stalinismus hat scharfe Kritik an einer Werbeaktion des Deutschen Fernsehballetts geübt. Tänzerinnen des Balletts hatten sich für eine Fotoserie anläßlich des 50jährigen Bestehens des Ensembles in FDJ- und DDR-Flaggen gehüllt.

„Die Aktion ist geschmacklos“, empörte sich der Bundesvorsitzende der Vereinigung, Hugo Diederich, gegenüber der JUNGEN FREIHEIT. „Hinter diesen Emblemen stehen Tote und gequälte Opfer, die in DDR-Gefängnissen saßen.“

Der Geschäftsführer des Fernseh-Balletts, Peter Wolf, verteidigte die Aktion dagegen: „Wir waren 28 Jahre quasi ein ‘DDR-Staatsballett’. Hammer, Zirkel, Ährenkranz und FDJ-Flagge gehören nun einmal zu unserer Geschichte. Wir haben gelebt, gearbeitet und getanzt in einem Unrechtsstaat“, heißt es in einer Stellungnahme auf der Internetseite des Balletts.

„Ironisch und frecher Umgang mit ehemaligen Insignien der Macht“

Zu DDR-Zeiten wäre man für einen derart respektlosen Umgang mit den Symbolen der Arbeiter- und Bauernmacht höchstwahrscheinlich ins Gefängnis gekommen. Um so besser sei es, daß man nun, 22 Jahre nach dem Ende der DDR, „ironisch und frech mit den ehemaligen Insignien der Macht“ spielen könne.

Der VOS-Vorsitzende Diederichs wollte die Erklärung nicht gelten lassen: „Ich frage Herrn Wolf, wie er sich 22 Jahre nach dem Ende der NS-Herrschaft in der gleichen Situation verhalten hätte. Hätte er dann auch die Embleme der vergangenen Diktatur verwendet, oder hätte er in diesem Fall Angst gehabt?“ (krk)

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