Berlin ist überall

Ganz Berlin ist geschockt. Ein junger Mann wird mitten im Zentrum Berlins brutal totgeschlagen- und getreten. Einfach so. Während die Täter, von Zeugen als Araber oder Türken beschrieben, weiter auf der Flucht sind, diskutieren Medien, Politik und Sicherheitsbehörden über die gestiegene Gewaltbereitschaft unter Jugendlichen. „Berliner Zustände“? Schwachsinn!

Derartige Formulierungen vertuschen, daß es sich nicht um ein lokales Problem handelt, von dem allenfalls betrunkene Nachtschwärmer in Berlin, Hamburg oder München betroffen sind. Solche Gewaltexzesse können mittlerweile jeden treffen. Zu jeder Zeit und in jedem noch so kleinen Dorf. Wer bei Google-News nach dem Begriff „Schläger“ sucht, erhält für die vergangenen Monate tausende Treffer aus der gesamten Bundesrepublik. Die „Berliner Zustände“ sind längst „Deutsche Zustände“.

Jeder, der jetzt über mehr Polizeipräsenz am Alexanderplatz spricht, zeigt, daß er vom Grundproblem keine Ahnung hat. Selbst wenn dort künftig 24 Stunden am Tag ganze Hundertschaften patrouillieren würden, wäre die ausufernde Gewalt nicht verschwunden. Sie würde sich allenfalls in andere Bezirke und Straßenzüge verlagern.

Schluß mit der Betroffenheits-Rechtsprechung

Am Ende würden „Sicherheitspolitiker“ und „Innenexperten“ dann für mehr Überwachungskameras werben. Keine Tat würde dadurch verhindert. Allenfalls könnte das Opfer nochmal in die Kamera winken. Gegen diese erbarmungslose Gewalt, dieses immer wieder gegen den Kopf treten, diese pure Bösartigkeit hilft nur eines: Eine konsequente Justiz.

Es braucht Richter, die nicht mit der Lupe nach angeblich schweren Kindheiten suchen und sich allerlei Strafmilderungsgründe herbeiphantasieren, um ihr eigenes Gewissen zu befriedigen. Zu oft kamen Schläger in der Vergangenheit mit Bewährungsstrafen davon. Wer Straftaten begeht, muß dafür geradestehen. Für die Täter vom Alexanderplatz kann es deswegen nur die höchstmögliche vom Gesetz vorgesehene Strafe geben.

Wenig hilfreich ist es, daß selbst die Berliner Polizei in ihrer Pressemitteilung verschweigt, daß die Täter als „Südländer“ beschrieben wurden. Jetzt wird nach „Männern“ gefahndet. Wer erinnert sich denn bitte an eine „Gruppe Männer“, die ihm in der Nacht mal begegnet ist? Wenn die Suche nach den Tätern so erschwert wird, helfen auch keine weiteren Polizisten.

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