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Integration
 

NRW führt Islamunterricht ein

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Ein Junge liest im Koran: In Nordrhein-Westfalen gibt es jetzt islamischen Religionsunterricht Foto: Flickr/sektordua

DÜSSELDORF. Als erstes deutsches Bundesland führt Nordrhein-Westfalen einen islamischen Religionsunterricht ein. Mit den Stimmen der Union beschloß die grün-rote Regierungskoalition ein entsprechendes Gesetz, welches ab dem kommenden Schuljahr die Einführung und schrittweise Ausweitung des Islamunterrichtes vorsieht.

Anders als vorhergehende Modellprojekte, in denen Schülern Kenntnisse über den Islam vermittelt wurden, handelt es sich hierbei um einen bekenntnisorientierten Religionsunterricht. Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) sprach von einem „Zeichen von mehr Integration“.

Türkei und Islamfunktionäre fordern Kontrolle

Unklar ist, wer den Unterricht leiten darf. Während die türkische Regierung gerne selbst das Lehrpersonal stellen möchte, besteht Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) auf Religionslehrer, die in Deutschland ausgebildet wurden. Doch über deren Ausbildung  herrscht seit Jahren Streit. Islamfunktionäre verlangen für sich ein Kontrollrecht, das aber nicht mit der grundgesetzlich garantierten Wissenschaftsfreiheit zu vereinbaren ist.

So kam es in der Vergangenheit zum Eklat, als der Islamwissenschaftler Sven Kalisch, der die Ausbildung von Religionslehrern leiten sollte, nach quellenkritischen Untersuchungen zum Schluß kam, daß es sich bei dem islamischen Religionsgründer Mohammed um eine fiktive Person handeln müsse. Islamfunktionäre forderten daraufhin erfolgreich die Abberufung Kalischs, durften aber trotz Proteste nicht selbst einen Nachfolger ernennen.

In Nordrhein-Westfalen einigte man sich auf einen Kompromiß. Ein Beirat, der zur Hälfte aus Islamfunktionären und von der Regierung ernannten Islamwissenschaftlern besteht, soll für den islamischen Religionsunterricht ein Curriculum ausarbeiten. Letztere müssen allerdings von den islamischen Dachverbänden bestätigt werden. (FA)

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