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Öffentliche Meinung
 

Klimakritische Rede von Helmut Schmidt entschärft

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Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD): Sind klimakritische Äußerungen zensiert worden? Foto: Wikimedia/NVP Switzerland

HAMBURG. Die Wochenzeitung Die Zeit hat eine Rede von Altbundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) um Sätze gekürzt wiedergegeben, die sich kritisch zu der wissenschaftlichen Begründung des Klimawandels und der demokratischen Verfasstheit der Europäischen Union stellen. Schmidt hatte anläßlich einer Feier zum 100. Geburtstages der damaligen Kaiser-Wilhelm- und heutigen Max-Planck-Gesellschaft im Januar eine Festrede gehalten.

Von der Rede, welche die politische Verantwortung von Wissenschaftlern zum Thema hatte, wurden „Auszüge“ auf dem Online-Portal der Zeit dokumentiert. Wie ein Textvergleich mit der von der Max-Planck-Gesellschaft gleichfalls veröffentlichten Ansprache zeigt, wurde die Rede aber bis auf wenige Passagen und Sätze nahezu weitgehend übernommen. Pikanterweise fehlen dabei ausgerechnet besonders kritische Spitzen in der Wiedergabe. So heißt es in einer Passage zum Klimawandel in der Dokumentation der Zeit:

„Unterstellte Konsequenzen“ des Klimawandels

„Zusätzlich zu all den vorgenannten, von Menschen verursachten Problemen, werden wir gleichzeitig beunruhigt von dem Phänomen der globalen Erwärmung und der ihr unterstellten Konsequenzen. Wir wissen, daß es natürlicherweise immer Eiszeiten und Warmzeiten gegeben hat; wir wissen jedoch nicht, wie groß gegenwärtig und künftig der von Menschen verursachte Beitrag zur heutigen globalen Erwärmung ist.

Die von vielen Regierungen international betriebene sogenannte Klimapolitik steckt noch in ihren Anfängen. Die von einer internationalen Wissenschaftlergruppe (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC) bisher gelieferten Unterlagen stoßen auf Skepsis.“

Klimaforscher haben „sich als Betrüger erwiesen“

Das Nachrichtenportal Die Achse des Guten hatte als erstes auf den Umstand aufmerksam gemacht, daß der letzte Satz in der Wiedergabe der Max-Planck-Gesellschaft eine wesentliche Erweiterung erhält. Hier heißt es im vollen Wortlaut:

„…zumal einige der beteiligten Forscher sich als Betrüger erwiesen haben. Jedenfalls sind die von einigen Regierungen öffentlich genannten Zielsetzungen bisher weniger wissenschaftlich als vielmehr lediglich politisch begründet.“ Erst mit dieser Erläuterung wird die folgende Forderung des Altkanzlers verständlich, welche wieder von der Zeitung dokumentiert wurde:

„Es scheint mir an der Zeit, daß eine unserer wissenschaftlichen Spitzenorganisationen die Arbeit des IPCC kritisch und realistisch unter die Lupe nimmt und sodann die sich ergebenden Schlußfolgerungen der öffentlichen Meinung unseres Landes in verständlicher Weise erklärt.“

Kritik an fehlender Demokratie der EU

Auch an anderen Stellen findet eine Abmilderung von Aussagen statt. Beispielsweise beklagte Schmidt in seiner Rede, daß „das tief in das Leben der Universitäten eingreifende Bologna-Schema“ weder „vom Bundestag noch etwa vom Europäischen Parlament beschlossen“ worden sei. Demgegenüber forderte er eine Demokratisierung der Europäischen Union durch einen eigenmächtigen Akt des EU-Parlamentes.

„Die öffentliche Meinung – und die veröffentlichte Meinung! – nimmt die politischen Talkshows im Fernsehen für wichtiger als die Debatte in ihrem nationalen Parlament und für noch viel wichtiger als die Debatte im Europäischen Parlament“. Beide Sätze fehlen gleichfalls in der Zeit-Dokumentation.

„Zuwanderung aus völlig anderen Zivilisationen“

Demgegenüber hat die Zeit, deren Mitherausgeber Schmidt ist, allerdings auch Passagen unverändert wiedergegeben, die im Hinblick auf die aktuelle Situation im Nahen Osten für erheblich mehr Aufsehen sorgen könnten, als dessen Kritik an der wissenschaftlichen Begründung eines von Menschen verursachten Klimawandels:

„Schon bisher hat die Übervölkerung großer Teile Afrikas, des Mittleren Ostens und Asiens zu einem hohen Maß an Zuwanderungen geführt, auf das wir fast nirgendwo in Europa ausreichend vorbereitet sind. Die weitgehende Offenheit der äußeren Grenzen der EU und dazu die allgemeine Freizügigkeit innerhalb der EU führen von Finnland bis nach Süditalien zu innenpolitischen Problemen, für die bisher keiner der europäischen Staaten ausreichend vorbereitet ist.

Freizügigkeit für Menschen, die ihrerseits in einer europäischen Zivilisation aufgewachsen sind, ist keineswegs zu kritisieren. (…) Dagegen ist Zuwanderung aus völlig anderen Zivilisationen oder Kulturen in vielen Fällen nicht nur mit Ghettobildung und anderer Absonderung, sondern auch mit erhöhter Inanspruchnahme des Sozialstaats und mit erhöhter Kriminalität verbunden. “ (FA)

> Dokumentation der Rede in der Zeit

> Dokumentation der Rede durch die Max-Planck-Gesellschaft

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