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Vertriebenenstiftung
 

Zentralrat der Juden fordert „Neuausrichtung“ der Vertriebenenstiftung

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Deutschlandhaus in Berlin: Standort der Vertriebenenstiftung. Foto: JF

FRANKFURT AM MAIN. Nachdem in der vergangenen Woche mit der Publizistin Helga Hirsch das dritte Mitglied des wissenschaftlichen Beraterkreises der Bundesstiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ seinen Austritt aus dem Gremium erklärt hatte, hat der Zentralrat der Juden in Deutschland eine „Neuausrichtung“ der Vetriebenenstiftung gefordert.

Wie der Spiegel berichtete, habe Vizepräsident Salomon Korn als Vertreter des Zentralrats im Stiftungsrat angekündigt, er werde sein Amt ruhen lassen, wenn das Thema Vertreibung „nicht im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg und dem nationalsozialistischen Menschheitsverbrechen“ dargestellt werde.

„Grundlegende Veränderung“ notwendig

Ebenfalls mit einem Rückzug soll der Direktor des Frankfurter Jüdischen Museums, Raphael Gross, gedroht haben, der dem wissenschaftlichen Beraterkreis der Vertriebenenstiftung angehört. Gross habe dem Nachrichtenmagazin zufolge kritisiert, daß der Bund der Vertriebenen (BdV) die eigene Verbandsgeschichte insbesondere hinsichtlich der ehemaligen Nationalsozialisten in seinen Reihen ungenügend aufgearbeitet habe.

Außerdem müsse vor Beginn der Arbeit der Vertriebenenstiftung geklärt werden, „in welchem Verhältnis Vertreibung, Zweiter Weltkrieg und Holocaust“ zueinander stünden. Ohne eine „grundlegende Veränderung“ der Arbeit der Stiftung stünden die Deutschen „als größte Opfergruppe“ da, die „Haupttäter des Jahrhunderts wären dann die Alliierten: Briten, Amerikaner, Russen“, kritisierte Gross laut Spiegel.

„Erhebliche Kontroversen“

Auch Korn betonte, der Zentralrat werde „keine Alibifunktion“ ausüben, es gebe „für uns klare Grenzen“. Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) sprach von „erheblichen Kontroversen“ im Zusammenhang mit der Vertriebenenstiftung. Eine Aufarbeitung der BdV-Vergangenheit sei seiner Meinung nach jedoch „nun wirklich nicht die Aufgabe der Stiftung“. (vo)

> Dossier zum „Fall Steinbach“

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