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Trauer
 

Jugendrichterin Kirsten Heisig tot aufgefunden

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Polizeihubschrauber: Ein Fremdverschulden kann laut Staatsanwalt ausgeschlossen werden Foto: Pixelio/Matthias Balzer

BERLIN. Die Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig ist tot. Bei einer am Sonnabend in einem Wald im Norden Berlins gefundenen Frauenleiche handelt es sich um die seit Montag vermißte Juristin. 

Mittlerweile steht für die Staatsanwaltschaft fest, daß die deutschlandweit bekannte Richterin sich selbst getötet hat. Ein Fremdverschulden könne ausgeschlossen werden, zitiert der Rundfunksender RBB einen Sprecher der Behörde.

Heisig verdankte ihre Prominenz dem sogenannten „Neuköllner Modell“, einer konsequenten Strafverfolgung von jugendlichen Kriminellen, bekannt. Dabei sorgte sie mit politisch unbequemen Aussagen für Aufsehen, wie etwa über den hohen Anteil von Einwandererkindern an sogenannten „Intensivstraftätern“

Auch auf die Deutschfeindlichkeit von jugendlichen Ausländern kam die couragierte Richterin immer wieder zu sprechen. Auf eigenen Wunsch war Heisig seit 2008 für den Berliner Problembezirk Neukölln zuständig und hatte mit dem „Neuköllner Modell“ eine effiziente Vernetzung der beteiligten Behörden sowie eine rasche Verurteilung der Täter initiiert.

Fassungslosigkeit und Trauer

Am Mittwoch war das Auto der 48jährigen etwa 20 Kilometer von ihrem Wohnort entfernt verlassen aufgefunden worden. Heisig wurde bereits am Montag als vermißt gemeldet. Am Mittwoch noch hatte ein Polizeisprecher Gerüchte gegenüber der JUNGEN FREIHEIT dementiert, daß Hinweise auf einen Suizid vorliegen.

Für den Herbst hatte Heisig ein Buch mit dem Titel „Das Ende der Geduld“ über ihre Erfahrungen als Jugendrichterin angekündigt. Zuletzt hatten etwa sechzig Polizeibeamte mit Spürhunden und unterstützt von einem Hubschrauber nach der Vermißten gesucht.

Berliner Politiker reagierten fassungslos auf die Nachricht vom Tod der Richterin. „So jemand bringt sich doch nicht um“, sagte Neuköllns Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) laut Tagesspiegel: „Schon gar nicht während der Fußball-Weltmeisterschaft.“ Buschkowsky lobte den Realismus und das Engagement Heisigs: „Sie war morgens Richterin und abends Sozialarbeiterin“.

„Richtig in die Pfanne hauen“

Seiner Meinung nach habe sie Unruhe in das Justizsystem der Hauptstadt gebracht, nicht immer zur Freude der Kollegen: „Manche versuchten sie auch richtig in die Pfanne zu hauen.“

Auch Justizsenatorin Gisela von der Aue (SPD) zeigte sich erschüttert vom Ableben der Jugendrichterin und deren Arbeit sie lobte: „Es wird uns ein Auftrag sein, auf diesem Wege weiterzuarbeiten.“ Unklar ist, warum die Politikerin noch vor Bekanntgabe des Obduktionsergebnisses verlautbarte, Heisig habe Suizid begangen. (FA,vo)

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