Bundesbank: Sarrazin steht offenbar vor dem Rauswurf

Sarra_01
Thilo Sarrazin: Der SPD-Politiker steht bei der Bundesbank offenbar kurz vor dem Rauswurf Foto: JF

BERLIN. Die Bundesbank will offenbar ihr Vorstandmitglied Thilo Sarrazin entlassen. Nach Medienberichten soll der Vorstand der Bundesbank einstimmig beschlossen haben, sich von Sarrazin wegen dessen jüngsten Äußerungen zur Einwanderungspolitik zu trennen.

Auch Bundespräsident Christian Wulf (CDU), der Sarrazins Entlassung bestätigen müßte, plädierte indirekt für dessen Rauswurf. „Ich glaube, daß jetzt der Vorstand der Deutschen Bundesbank schon einiges tun kann, damit die Diskussion Deutschland nicht schadet – vor allem auch international“, sagte Wulff am Mittwoch dem Nachrichtensender N24.

Unterdessen erneuerte der Fernsehmoderator Michel Friedman seine Kritik an Sarrazin. Im Interview mit der Berliner Zeitung warf Friedman „rassistische Haltungen salonfähig“ zu machen und die Menschen in Deutschland gegeneinander aufzuhetzen. Das „Gedankengut der Springerstiefel“ fließe mehr und mehr in die „Mitte der Gesellschaft“ ein.

Friedmann kritisiert Deutsche Verlagsanstalt

Das was auf der Straße banal gesagt werde, finde sich auch bei Cocktailempfängen, eben nur sprachlich auf einem höheren Niveau. Sarrazin nehme es bewußt in Kauf, daß solche rassistischen Tendenzen noch gesellschaftsfähiger würden, warnte der Fernsehmoderator.

Gleichzeitig kritisierte Friedman die Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), die Sarrazins Buch veröffentlichte. Er halte es für einen internationalen Verlag wie die DVA bedenklich, daß dieser ein teilweise offen rassistisches Buch veröffentliche. Er sei gespannt, wie dessen Repräsentanten sich im Ausland dafür rechtfertigten.

Der Verlag wollte die Kritik Friedmans nicht kommentieren. Man wolle derzeit weder zu Sarrazins Buch noch zu der durch seine Thesen entstandenen Debatte Stellung beziehen, sagte eine Sprecherin der JUNGEN FREIHEIT. Dafür sei die derzeitige mediale Stimmung zu aufgeheizt.

Bereits am Montag nach der Buchpräsentation in der Bundespreßkonferenz war es während eines Interviews, das Friedman mit Sarrazin führte, zum Streit zwischen den beiden gekommen sein. Nach einem Bericht der Bild-Zeitung, soll Sarrazin am Ende des Gesprächs gesagt haben: „Herr Friedman, heute waren Sie ein Arschloch!“ (krk)

Fernsehtip: 22:15 Uhr, ZDF, Kampf der Kulturen? Sarrazins Spiel mit der Ausländerangst, „Maybrit Illner“, Deutschland 2010, Gäste: Grünen Chef Cem Özdemir, Henryk Broder (Publizist), Bernd Ulrich (stellvertretender Chefredakteur der Zeit), Roger Köppel (Schweizer Journalist, Chefredaktor und Verleger des Wochenmagazins Die Weltwoche), Naika Foroutan (Politologin). 

Unterstützung

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat: Unterstützen Sie die JF mit einer Spende.

Der nächste Beitrag

aktuelles