EU: Prager Familienkongreß betont konservative Werte

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Mutter mit Kind vor der Karlsbrücke in Prag. Denkt die Europäische Union um? Foto: Flickr/RocketScientistJan

PRAG. Der mit der Übernahme der EU-Ratspräsidentschaft von Tschechien in Prag initiierte Familienkongreß hat in der vergangenen Woche die bisherige Sichtweise der Europäischen Union in Frage gestellt. „Es gibt einen Umschwung in der Familienpolitik Europas hin zu mehr Freiheit“, sagte die Vorsitzende der Europäischen Jugendallianz in Brüssel, Gudrun Kugler, gegenüber dem Katholischen Nachrichtendienst.

Unter dem Motto „Kindererziehung und Beschäftigungspolitik – Widerstreit oder Ergänzung?“ diskutierten Experten kontrovers die bisherige Anschauung, Frauen nur als ökonomisches „Humankapital“ zu betrachten. So stellte der ehemalige deutsche Verfassungsrichter und Steuerrechtsexperte Paul Kirchhof in Frage, ob hier tatsächlich das Familienwohl ins Auge gefaßt werde.

Kinderwohl steht vor ökonomischen Zwängen

Wer wolle, daß die Wirtschaft wächst, muß auch wollen, daß Kinder gesund heranwachsen, argumentierte Kirchhof. Kinder haben aber dann die besten Voraussetzungen, wenn sie in Familien aufwachsen, die nicht vom Staat gegängelt werden. Denn die Familie ist der „Kern der Freiheit“. Eine Wirtschaft dürfe daher nicht auf eine erzwungene Frauenarbeit, sondern müsse auf attraktive Angebote für Mütter nach der Erziehungszeit setzen.

Zu einem ähnlichen Schluß gelangte der deutsche Psychiater Wolfgang Bergmann, der in Untersuchungen zur Mutter-Kind-Beziehung festgestellt hatte, daß zu früh und zu stark fremdbetreute Kinder nachweisbare Defizite im Spracherwerb, in der Motorik und im Gefühlsleben aufweisen. Auch Catherine Hakim von der London School of Economics präsentierte Studien, die zu dem Schluß kamen, daß Frauen in Großbritannien gar keine Kinderkrippen wünschen.

Der EU-Verfassungsrechtler Josef Isensee kritisierte die Absicht der Europäischen Union, ein „ökonomisch imprägniertes“ Frauenbild durchsetzen zu wollen. Einerseits besitze diese gemäß dem europäischen Subsidaritätsprinzip keinerlei familienpolitische Kompetenz oder sonstige Gesetzesgrundlage.

Angriff auf die kulturelle Vielfalt Europas

Andererseits stelle der Versuch einen Angriff auf die kulturelle Vielfalt Europas dar, in der auch unterschiedliche Auffassungen von Familie und Ehe wurzeln. Entsprechend verlange er die Respektierung von einer nationalen Identität, ohne die die EU ihre Existenz gefährde.

Mehrere Redner vertraten die Ansicht, daß die Gesellschaft endlich die Erziehungsarbeit anerkennen müsse, die in den Familien geleistet werde. Beispielsweise machte der Präsident des Deutschen Familienverbandes den Vorschlag, Erziehung konkret an das Rentenversicherungssystem anzuschließen: „Wer drei Kinder erzogen hat, muß behandelt werden, als habe er zwanzig Jahre lang ein mittleres Einkommen erzielt.“

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