Boykottaufrufe gegen Amazon

Amazon
Auf NPD-Seiten unerwünscht: Partnerprogramm des Versandhandels Amazon. Foto: JF

BERLIN. Mehrere Politiker haben zu einem Boykott des Internet-Versandhandels Amazon aufgerufen. Grund ist die Netzseite „Nationales Tagebuch“, die vom NPD-Kreisverband Barnim-Uckermark in Brandenburg verantwortet wird.

In einer Seitenspalte werden empfohlene Bücher der Autoren aufgelistet, die per Mausklick bei Amazon bestellt werden können. Kommt es zu einem Kauf, so erhält der Seitenbetreiber im Rahmen eines Partnerprogramms eine Provision.

Eine gängige Verkaufspraxis im Internet, die aber in diesem Fall auf Unverständnis stößt. So schreibt der Brandenburgische Verfassungsschutz, daß man dies als „eine wirtschaftliche Partnerschaft mit verfassungsfeindlichen Extremisten“ nennen könnte. Auch sein Berliner Pendant hält dies für „absolut problematisch“, wie der Tagesspiegel berichtet.

Auch Zensurmaßnahmen gefordert

Der Präsident des Berliner Abgeordnetenhauses, Walter Momper (SPD), drohte nun mit Konsequenzen. „Wenn Amazon die Partnerschaft mit der NPD nicht kündigt, muß man die Firma boykottieren.“ Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Linkspartei) will „alle Demokraten aufrufen, nicht mehr bei Amazon zu kaufen“, sollte die Geschäftsbeziehung nicht beendet werden. Auch der Berliner FDP-Chef, Markus Löning, will solange nicht mehr bei Amazon kaufen.

Zusätzlich forderte der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Volker Ratzmann, daß Amazon „sein Sortiment auf rechtsextremes Material durchforsten und sofort rausschmeißen“ solle. Bereits vorigen Monat hatten Verdi-Funktionäre mit Boykott gedroht, wenn sich Amazon der Zensurmaßnahme nicht beugen sollte.

In einer Stellungnahme gegenüber den Tagesspiegel verteidigte Amazon seine offene Haltung. Sobald „ein offizielles Verbot“ der von der NPD-Seite beworbenen Artikel „oder der Seite selbst“ in Kraft trete, werde man die Partnerschaft beenden. Ansonsten nehme man „bei de Frage, ob ein Produkt vertrieben werden sollte, keine eigene Wertung vor“. (FA)

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