Berliner entscheiden über Religionsunterricht

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Logo der Kampagne von „Pro Reli“

BERLIN. In Berlin kommt es zu einem Volksentscheid zur Einführung des Religionsunterrichts als ordentliches Schulfach. 181.584 geprüfte, gültige Unterschriften hat dafür die Initiative ProReli beim Landeswahlleiter abgeliefert. Mindestens 170.905 wären für den Erfolg des Volksbegehrens erforderlich gewesen.

Die Befürworter – darunter zahlreiche Prominente aus Kirche, Politik und Medien – wollen erreichen, daß in Berliner Schulen Religion und Ethik als gleichberechtigte Wahlpflichtfächer erteilt werden. Der rot-rote Senat hatte einen sogenannten Ethikunterricht zum Schuljahr 2006/2007 als verpflichtend für alle Schüler ab der 7. Klasse eingeführt. Religion ist ein freiwilliges Zusatzangebot.

Dies benachteilige den Religionsunterricht, so die Initiative „Pro Reli“. Die Initiative tritt dafür ein, daß der Volksentscheid mit der Europawahl am 7. Juni abgehalten wird. Er wäre erfolgreich, wenn mindestens 25 Prozent der 2,4 Millionen Wahlberechtigten dafür stimmen; das wären 610.000.

Bischöfe danken Unterstützern

Der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Wolfgang Huber, sowie der katholische Erzbischof Georg Kardinal Sterzinsky dankten den Initiatoren und Unterstützern von Pro Reli. Der Verein habe das Thema Religionsunterricht verstärkt in die öffentliche Diskussion gebracht.

Dies sei bereits ein Erfolg, unabhängig vom Ergebnis des Volksentscheids. Neben den vielen ehrenamtlichen Helfern hätten auch Religionslehrer und Pfarrer das Eintreten für den Religionsunterricht in ihren Gemeinden zum Thema gemacht.

Kritik am Ethikunterricht

Unterdessen hat der Berliner Religionspädagoge und Mitglied der Landessynode, Rolf Schieder, das derzeitige Berliner Modell kritisiert. Wie er in der Wochenzeitung Rheinischer Merkur schreibt, fehle den Berliner Ethiklehrern die Fachkompetenz. Sie müßten ohne theologische Kenntnisse einen Dialog der Religionen initiieren und Schüler auf religiöse Konflikte vorbereiten.

Damit reagiert Schieder auf die Kritik des Verfassungsrechtlers Bernhard Schlink. Dieser hatte sich in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung für den Ethik-Unterricht ausgesprochen und den Berliner Kirchen vorgeworfen, sie würden sich mit ihrem Kampf für ein Pflichtfach Religion unglaubwürdig machen. Nach Schieders Ansicht kommt der Ethik-Unterricht jedoch mangels theologischer Ausbildung der Lehrer „über einen allgemeinen Appell an Respekt und Toleranz nicht hinaus“. (idea/JF)

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