Kirchen in Hamburg verwüstet

Kreuz
In Hamburg wurden christliche Symbole offenbar gezielt geschändet Pixelio/Martin Müller

HAMBURG. Unbekannte haben in der Nacht zu Sonntag im Hamburger Stadtteil Poppenbüttel eine Kirche verwüstet und dabei erheblichen Schaden angerichtet.

Die Zerstörungen waren so stark, daß der Sonntagsgottesdienst nicht in der evangelischen Simon-Petrus-Kirche stattfinden konnte. Nach einem Bericht der Polizei beschädigten die Täter „Kerzenhalter, Paramente, Bibeln, Gesangsbücher, das Taufbecken, ein Klavier und Kreuze sowie andere Gegenstände“.

Anschließend brachten sie die Gegenstände nach draußen, warfen sie in einen Schacht und versuchten sie anzuzünden. Außerdem öffneten sie „die Orgel in der Kirche und beschädigten diese erheblich“. Die Täter verschütteten zudem in mehreren Räumen Meßwein und richteten dadurch weitere Schäden an. Bei einer zweiten Kirche in Poppenbüttel, der evangelischen Marktkirche, wurden zudem Fensterscheiben zerstört.

Polizei geht von Vandalismus aus

Die Polizei geht nicht von einer politisch motivierten Straftat aus. Pressesprecher Ralf Kunz sagte gegenüber der JUNGEN FREIHEIT, es spreche alles dafür, daß es sich bei der Tat um reinen Vandalismus handle. „Politische Taten stellen sich gewöhnlich anders dar. Hier gibt es zum Beispiel kein Bekennerschreiben.“

Im Zentralbüro der Gesamtgemeinde Poppenbüttel glaubt man jedoch nicht an bloßen Vandalismus: Gemeindesekretärin Silvia Hebel sagte gegenüber der JF, es seien bewußt sakrale Gegenstände geschändet worden. „Es ist zwar nur ein Gefühl, aber das Kruzifix von der Wand abzuhängen und versuchen, es anzuzünden, sowie Bibeln zu zerstören, das ist doch gezielt“ – ebenso wie das Verschütten des Abendmahlweins.

Jedenfalls sei es ein Glück, daß die Täter offenbar nicht in die Marktkirche gelangen konnten, so daß es dort bei der Zerstörung der Fensterscheiben blieb. Freilich handelte es sich bei den Fenstern laut Silvia Hebel um teure Bleiverglasungen, die mundgeblasen waren. „Wir wissen nicht mal, ob die überhaupt noch hergestellt werden“, so die Gemeindesekretärin.

Islamischer Friedhof geschändet

Bei einer weiteren Schändung einer religiösen Einrichtung hingegen ermittelt inzwischen die Staatsschutzabteilung des Landeskriminalamtes. Im Hamburger Stadtteil Öjendorf hatten Unbekannte in der Nacht zu Samstag 17 Grabsteine und -platten auf dem muslimischen Teil des Friedhofs beschmiert und zum Teil umgeworfen.

So fanden sich auf den Grabsteinen Davidsterne und Schriftzüge wie „Fuck Allah“ oder „Allah = Motherficker“ Außerdem spannten die Täter ein Leinentuch mit einem Hakenkreuz über einige Gräber. Laut Polizei deuteten die Beschmierungen darauf hin, daß die „antisemitische/fremdenfeindliche Tat zum Nachteil der Muslime offensichtlich durch Wirrköpfe ohne politisches Wissen verübt“ worden und in ihrer Art und Weise bislang einmalig sei.

Auch in Bayern verwüsteten Unbekannte im vergangen September eine Kirche.

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