Islam: Forscher warnen vor Kulturkonflikten im Kindergarten

Kindergarten
Evangelischer Kindergarten in Wülfrath Foto: Pixelio/Thomas Max Müller

TÜBINGEN. In deutschen Kindergärten werden die Erzieher zunehmend durch Kulturkonflikte mit muslimischen Kindern überfordert. Dies geht aus der Studie „Mein Gott, dein Gott: Interkulturelle und interreligiöse Bildung in Kindertagesstätten“ hervor, welche Albert Biesinger und Friedrich Schweitzer von der Universität Tübingen herausgegeben haben. Die Religionspädagogen werteten hierfür Umfragen aus über dreihundert Kindertagesstätten in deutschen Großstädten aus.

Dabei stellten die Autoren große Unsicherheiten bei den Erziehern fest, den Ablauf in der jeweiligen Einrichtung zu planen. Dürfen christliche Feste gefeiert werden, oder fühlen sich muslimische Kinder ausgegrenzt? Dürfen Kinder nackt im Pool baden, oder verstößt dies gegen das sittliche Empfinden muslimischer Eltern? Diese und andere Fragen des Alltags stellen für die Erzieher ständig neue Herausforderungen dar, auf die sie unvorbereitet reagieren müssen.

Verdrängung keine Lösung

Als problematisch bezeichneten die Autoren das Verhalten der Erzieher, Auseinandersetzungen aus dem Weg zu gehen: „Man sollte die Konflikte nicht verdrängen“, sagte Schweitzer von der evangelisch-theologischen Fakultät der Heidenheimer Zeitung.

Wenn beispielsweise in vielen Kindergärten kein Osterfest, sondern aus Rücksicht auf muslimische Kinder ein neutrales „Frühlingsfest“ gefeiert wird, sei dies keine Lösung. Würde es auf dieser Ebene nicht zu einem Ausgleich kommen, „kriegen wir ein Problem in der Gesellschaft“, bemerkte sein katholischer Kollege.

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