„Bündnis für Demokratie und Toleranz“ streitet über Auszeichnung

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Cornelie Sonntag-Wolgast Foto: Bundestag

MITTWEIDA. Im Fall der jungen Frau, der Ende vergangenen Jahres im sächsischen Mittweida angeblich von Rechtsextremisten ein Hakenkreuz in die Hüfte geritzt wurde, gerät jetzt die SPD-Politikerin Cornelie Sonntag-Wolgast unter Druck.

Die ehemalige Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesinnenministerium hatte als Mitglied im „Bündnis für Demokratie und Toleranz“ maßgeblich dafür gesorgt, daß Rebecca K., die nach eigener Darstellung von den Rechtsextremisten angegriffen worden war, als sie einem kleinen Aussiedlermädchen zur Hilfe kommen wollte, im Februar mit dem „Ehrenpreis für Zivilcourage“ ausgezeichnet wurde.

In der vergangenen Woche erhob die Staatsanwaltschaft Chemnitz nun Anklage wegen Vortäuschung einer Straftat gegen Rebecca K., nachdem unter anderem ein medizinisches Gutachten zu dem Schluß gekommen war, daß sich die junge Frau das Hakenkreuz selbst in die Hüfte geritzt hat.

Böhmer sprach sich gegen Auszeichnung aus

Obwohl die Polizei schon im Februar Zweifel an der Darstellung der jungen Frau hatte, setzte Cornelie Sonntag-Wolgast die Auszeichnung durch – offenbar auch gegen Widerstände innerhalb des „Bündnisses für Demokratie und Toleranz“.  So habe sich laut einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung unter anderem die Staatsministerin für Integration im Bundeskanzleramt, Maria Böhmer (CDU), entschieden gegen die Preisverleihung ausgesprochen.

Gegenüber der JUNGEN FREIHEIT hatte Sonntag-Wolgast die Entscheidung für die Preisverleihung zuvor als „Signal für die Zivilbevölkerung“ gewertet, das nicht allein auf die Person der jungen Frau bezogen sei.

Laut FAS drohen dem Bündnis nun Konsequenzen. So erwäge der Direktor der „Stiftung Topographie des Terrors“ in Berlin, Andreas Nachama, das Bündnis zu verlassen. „Das Schlimme ist: Das ganze Anliegen gerät durch diese Sache in Verruf“, sagte er der Zeitung.

Sonntag-Wolgast verteidigt ihr Vorgehen weiterhin. „Wenn wir den Preis zurückgezogen hätten, wäre es wie eine Vorverurteilung des Mädchens gewesen“, sagte sie der FAS.

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