NPD-Funktionäre unerwünscht

Der Hotel- und Gaststättenverband Sachsen-Anhalt will Rechtsextremisten zu unerwünschten Gästen erklären. Geplant sei eine Kampagne gegen die Vermietung von Zimmern und Versammlungsräumen an NPD-Funktionäre und Neonazis. Das kündigte der Geschäftsführer des Verbandes, Wolfgang Schildauer, gegenüber der Mitteldeutschen Zeitung an. Rund 1.000 Gastwirte und Hotelbesitzer hätten bereits ihre Teilnahme an der Aktion „Rechtsextreme raus“ zugesagt.

In der vergangenen Woche hatte sich bereits der Präsident des Hotels- und Gaststättenverbandes Brandenburg, Thomas Badstübner, für eine ähnliche Kampagne ausgesprochen. In Mecklenburg-Vorpommern dagegen sollen Gastronomen und Hoteliers selbst entscheiden, wen sie als Gäste akzeptierten und wen nicht. Der dortige Hotel- und Gaststättenverband werde seinen Mitgliedern keine Handlungsempfehlung zum Umgang mit Rechtsextremisten geben, sagte Hauptgeschäftsführer Uwe Barsewitz dem evangelischen Pressedienst.

„Umsatzeinbußen zwischen 120 und 200 Millionen Euro“

Auslöser für die jüngsten Diskussionen um die Beherbergung von NPD-Funktionären war die Zimmerreservierung des Chefs der sächsischen NPD-Landtagsfraktion Holger Apfel und dessen Stellvertreters Alexander Delle im Dresdener Hotel Holiday Inn. Dessen Geschäftsführer, Johannes H. Lohmeyer, hatte Apfel und Delle kurzerhand für unerwünscht erklärt und ihre Reservierung storniert.

Hintergrund für die Maßnahmen ist offensichtlich eine Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Ipsos. Danach wirke sich der Rechtsextremismus zunehmend negativ auf den Tourismus in Mitteldeutschland aus. Laut der Umfrage, bei der im Oktober deutschlandweit 1.000 Personen im Alter ab 14 Jahren befragt wurden, sehen neun Prozent der potentieller Urlauber aus Angst vor rechtsextremen Vorfällen von einer Reise nach Sachsen ab. In Sachsen-Anhalt seien es elf Prozent. Angeblich ergäben sich für den „Nordosten Umsatzeinbußen zwischen 120 und 200 Millionen Euro pro Jahr“, zitierte die Ostsee-Zeitung den Geschäftsführer des Tourismusverbandes Mecklenburg-Vorpommern, Bernd Fischer.

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