KIEW. Das ukrainische Außenministerium hat Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán scharf kritisiert. „Die Förderung revisionistischer Ideen in Ungarn trägt nicht zur Entwicklung der ukrainisch-ungarischen Beziehungen bei und entspricht nicht den Grundsätzen der Europapolitik“, schrieb der Sprecher der Behörde, Oleg Nikolenko, auf Facebook.
Hintergrund ist ein Schal, den Orbán bei einem Testspiel der ungarischen Nationalmannschaft getragen hatte. Darauf war Ungarn in seinen Grenzen vor 1918 abgebildet. Damals gehörten Teile der heutigen Ukraine noch zu Ungarn.
Ungarn verlor Gebiete an die Ukraine
Auch an Österreich, die Slowakei, Rumänien, Kroatien und Serbien hatte das Land nach dem Ersten Weltkrieg Gebiete verloren. Grundlage dafür war der Vertrag von Trianon. Noch heute ist das Thema als „Trianon-Trauma“ einen festen Platz in der ungarischen Erinnerungskultur.
Die Ukraine fordert wegen des Schals nun eine Entschuldigung und eine Erklärung von Orbán, daß sein Land keine Ansprüche auf ukrainisches Territorium erhebe. Zudem hat das Außenministerium angekündigt, den ungarischen Botschafter einzubestellen.
Orbán: Fußball ist nicht Politik
Der ungarische Regierungschef reagierte seinerseits auf Facebook auf die Kritik. „Fußball ist nicht Politik“, schrieb er. „Laßt uns nichts in der Sache sehen, das nicht da ist. Die Nationalmannschaft repräsentiert alle Ungarn, egal wo sie leben.“
Viktor #Orbán und sein Traum von Großungarn auf einem Fan-Schal. Wann begreift die EU endlich, was für einen gefährlichen Imperialisten sie da in ihren eigenen Reihen hat? pic.twitter.com/czbtb9gNBB
— Georg Restle (@georgrestle) November 22, 2022
Empörung über den Schal war auch aus Deutschland gekommen. Der Redaktionsleiter des ARD-„Monitor“, Georg Restle, sah in diesem Orbáns angeblichen „Traum von Großungarn“. Er frage sich, wann die EU endlich begreife, „was für einen gefährlichen Imperialisten sie da in ihren eigenen Reihen“ habe, schrieb er auf Twitter. (zit)