Produktion von Dubler Mohrenköpfen Foto: picture alliance/KEYSTONE
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Handelskette nimmt Waren aus Sortiment

Schweizer Süßigkeitenhersteller hält an Begriff „Mohrenkopf“ fest

AARAU. Der Geschäftsführer eines Schweizer Süßigkeitenherstellers hat die Bezeichnung „Mohrenkopf“ verteidigt. „Ich mache etwas, von dem ich das Gefühl habe, daß es sehr gut ist. Der Mohrenkopf ist qualitativ hochstehend. Dafür benutze ich doch keinen zweitklassigen Namen“, sagte Robert Dubler, Chef des gleichnamigen Familienunternehmens im Kanton Aargau, am Donnerstag der Aargauer Zeitung.

„Man kann doch die Süßigkeit nicht dafür verantwortlich machen, wenn die Menschen einander plagen“, ergänzte Dubler. Wenn Kinder auf dem Schulhof nicht mehr „Mohrenkopf“ sagten, dann würden sie sich eben als „Schoggikopf“ bezeichnen. „Eine Namensänderung unseres Mohrenkopfes ändert doch da nichts.“

Zuvor hatte eines der größten Handelsunternehmen der Schweiz, Migros, angekündigt, die Mohrenköpfe aus dem Sortiment zu nehmen. Hintergrund ist die aktuelle Debatte über Rassismus und Polizeigewalt wegen des Todes eines vorbestraften Afroamerikaners nach einem Polizeieinsatz. Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter hatte sich ein Nutzer über die Dubler-Mohrenköpfe beschwert.

Die Migros teilte daraufhin mit: „Wir haben uns dazu entschieden, das Produkt aus dem Sortiment zu nehmen. Die aktuelle Debatte hier hat uns dazu bewegt, die Situation neu zu beurteilen. Daß dieser Entscheid ebenfalls zu Diskussionen führen wird, ist uns bewußt.“ Später ergänzte das Unternehmen, es seien zwei Läden in Zürich davon betroffen.

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Unternehmer kann Aufregung nicht verstehen

Robert Dubler kritisierte die Aufregung über den Namen. „Wenn der Mohrenkopf ein so großes Problem ist, dann haben wir etwas viel Wichtigeres vergessen.“ Er schaue nach Afrika, einem Kontinent „mit den meisten Bodenschätzen, der aber arm ist, weil wir Afrika täglich bescheißen“. Dies gehe Hunderte Jahre zurück. „Und jetzt haben wir die gottlose Einbildung, daß das Problem gelöst wird, wenn ich den Namen des Mohrenkopfes ändere. Das ist doch daneben.“

Dublers Unternehmen steht bereits seit Jahren in der Kritik. 2017 etwa forderte eine Petition die Umbenennung der Süßigkeit, doch der Firmeninhaber hielt an dem Traditionsnamen fest. Er fände es zwar gut, wenn über Rassismus diskutiert werde. „Die Welt wird aber nicht weniger rassistisch, wenn ich den Namen ändere“, sagte der Unternehmer nun.

Er fände es auch nicht richtig, den Namen nur aus Solidarität mit jenen Menschen zu ändern, die ihn rassistisch empfänden. Denn damit mache er mehr Leute wütend als glücklich. „Sehen Sie, ich habe einen Verwandten mit dunkler Hautfarbe. Ihn stört die Bezeichnung ‘Mohrenkopf’ überhaupt nicht. Und wer sagt, wir seien Rassisten, soll halt mal hier in den Betrieb kommen. Dann sieht er, daß das nicht stimmt.“

Polizei entfernt Szene aus Werbevideo 

Unterdessen hat die Luzerner Polizei Filmsequenz aus einem Werbevideo entfernt. Die Szene zeigt zwei Polizisten, von denen einer einen Verdächtigen mit seinem Knie auf dem Rücken am Boden fixiert. Seine Kollegin legt dem dargestellten Festgenommenen mit heller Hautfarbe derweil Handschellen an.

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Unter anderem eine Grünen-Politikerin hatte die Polizei aufgefordert, nicht mehr mit solchen Bildern zu werben. „Das Bild alleine ist derzeit ein No-Go“, schrieb Rahel Estermann auf Twitter. Sie kritisierte zudem den eingeblendeten Text in der Werbung, „Schnell – Kompetent – Hilfsbereit“ im Zusammenhang mit der gezeigten Szene. Die Polizei teilte anschließend mit: „Die Luzerner Polizei distanziert sich von jeglicher Form von Gewalt und Rassismus und drückt ihre Anteilnahme am gewaltsamen Tod von George Floyd aus. In unserem Polizeikorps haben Gewalt und Rassismus keinen Platz.“ Das kritisierte Bild werde ersetzt. (ls)

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