Vom IS gefangengenommene syrische Soldaten vor ihrer Enthauptung Foto: picture alliance/ZUMA Press
„Global Terrorism Database“

Mehr als 60.000 Tote durch islamischen Terror

In den vergangenen fünf Jahren dominierte der Islamische Staat (IS) die internationalen Schlagzeilen. Im Juni 2014 hatte sich Abu Bakr al-Baghdadi zum Kalifen ernannt und herrschte fortan über ein zusammenhängendes Gebiet in Syrien und dem Irak mit circa zehn Millionen Einwohnern.

Unter seiner Herrschaft verübte der Islamische Staat zahlreiche Terroranschläge, darunter mehrere in Europa. Seit dem März gilt das Kalifat als besiegt. Der IS hat sein früheres Gebiet eingebüßt und operiert nun deutlich geschwächt aus dem Untergrund heraus. Medienberichte über die Gesamtzahl der bisherigen Opfer des IS-Terrors sind jedoch auch mehr als fünf Jahre danach noch Mangelware. Einen Anhaltspunkt für die genaue Zahl der Terrortoten bildet die „Global Terrorism Database“ der Universität Maryland. Diese hat Opfer bis zum vergangenen Jahr erfaßt. Demnach tötete:

  1. al-Qaida im Irak: 4.414 Menschen
  2. der Islamische Staat: 43.411 Menschen
  3. weitere loyale Terrorgruppen: 8.815 Personen

also insgesamt: 56.640 Menschen.

Zur Erläuterung:

Der IS gründete sich nach der US-amerikanischen Invasion 2003 als irakischer Ableger der Terrororganisation al-Qaida. Im aufziehenden Bürgerkrieg konnte die Gruppe aufgrund ihrer militärischen Stärke gegenüber der Mutterorganisation eine selbstbewußte Eigenständigkeit bewahren. Nach der Ausschaltung Osama bin Ladens 2011 durch US-Spezialeinheiten kam es zum Konflikt mit dessen Nachfolger Aiman az-Zawahiri.

Viele weitere Terrorgruppen im islamischen Raum schworen al-Baghdadi 2014 ihre Treue. Vor allem in Libyen, auf dem Sinai, in Afghanistan und im Jemen. Auch Boko Haram erklärte seine Verbundenheit mit dem IS – die Gruppe geriet über die Solidaritätsbekundung jedoch in Streitereien, zudem war sie schon lange vor 2014 in Nigeria an Terroranschlägen beteiligt, weshalb die Gruppierung hier keine genauere Betrachtung erfährt.

Die Statistik listet sowohl Kampfhandlungen wie Anschläge auf. Die Dunkelziffer liegt aber vermutlich höher. Im Zeitraum von 2013-2018 starben im Irak und Syrien 18.263 Menschen bei Terroranschlägen ungeklärter Urheberschaft. Die weite Mehrheit davon dürfte auf den IS zurückzuführen sein – denn dieser ist für 89% aller aufgeklärten Anschläge verantwortlich.

Die genaue Opferzahl ist unklar

Zudem lassen sich nie alle Terroranschläge erfassen und nicht für jeden Terroranschlag gibt die GTD die genaue Opferzahl an. Außerdem wurden nur hingerichtete Kriegsgefangene gezählt, nicht aber hingerichtete Zivilisten. Trotz seiner militärischen Niederlagen ermordete der IS auch 2019 viele Menschen. Beispielsweise bei den Osteranschlägen auf Sri Lanka mit rund 250 Toten und dem Anschlag auf eine Hochzeitsgesellschaft in Afghanistan mit etwa 100 Toten. Abschließende Zahlen werden erst 2020 vorliegen. Die Gesamtzahl der IS-Todesopfer dürfte daher mindestens bei 60.000 liegen, aber eher sogar 70.000 betragen.

Vom IS gefangengenommene syrische Soldaten vor ihrer Enthauptung Foto: picture alliance/ZUMA Press

Unterstützung

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat: Unterstützen Sie die JF mit einer Spende.

Der nächste Beitrag

ähnliche Themen

aktuelles

All articles loaded
No more articles to load