Studie

„Islam-Kindergärten“: ÖVP und FPÖ attackieren Wiens Regierung

WIEN. ÖVP und FPÖ in Wien haben schwere Vorwürfe gegen die rot-grüne Stadtregierung aufgrund der Mißstände in islamischen Kindergärten erhoben. Diese seien auf „das rot-grüne Versagen und das jahrelange Wegschauen zurückzuführen“, sagte die Bildungssprecherin der ÖVP Wien, Sabine Schwarz.

Hintergrund ist eine am Donnerstag veröffentlichte Studie der Universität Wien und der Fachhochschule Wien über islamische Kindergärten. Durch die Studie sei eindeutig erkennbar, daß die Stadt Wien für die Entwicklung von Parallelgesellschaften in den islamischen Kindergärten verantwortlich sei. „Es braucht tiefgreifende Lösungen statt kosmetischer Placebos“ so Schwarz weiter. Auch die FPÖ schloß sich der Kritik an. „Die Mehrzahl der islamischen Kindergärten wird von radikalen Muslimen betrieben. Solche Brutstätten des religiösen Fanatismus müssen sofort geschlossen werden“, forderte Vizebürgermeister Dominik Nepp.

Die Stadt Wien und das Außenministerium hatten nach einer Pilotstudie von Religionspädagoge Ednan Aslan aus dem Jahr 2015 die Universität Wien und die Fachhochschule Wien mit einer weiteren Untersuchung beauftragt. Die neue Studie sollte ein besonderes Augenmerk auf Fragen der elementarpädagogischen Professionalität „islamischer Kindergärten und Kindergruppen“ legen, auch Aslan war wieder beteiligt.

Studie führt „Exklusionstendenzen“ auf andere Gründe zurück

Die Wissenschaftler kamen zu dem Ergebnis, daß derartige „Exklusionstendenzen“, also gesellschaftliche Abschottungen, eher auf andere Gründe zurückzuführen seien. Als hinderlich werden die bevorzugte Vergabe von Kindergartenplätzen an berufstätige Eltern, erhebliche Zusatzkosten bei privaten Trägern und die Ablehnung in anderen Kindergärten genannt. Betroffen seien nicht nur moslemische Kinder, oft aber Kinder mit Einwandererhintergrund, so die Forscher.

Nach Veröffentlichung von Aslans Pilotstudie 2015 hatte die Stadt Wien ihre Kontrollen verstärkt. Während ein Teil der Einrichtungen die religiöse Erziehung und den Koranunterricht ohne bestimmten Rahmenplan weiterhin anbot, verschob ein anderer Teil diese Sonderprogramme.

Väter bedrohen Pädagogen

Bei den Eltern genieße das Angebot an religiöser Erziehung und Koranunterricht jedoch hohe Wertschätzung, verdeutlichte Adnan. Entsprechend heftig falle ihr Widerstand gegen ein Verbot des Islamunterrichts aus. Die Studie berichtet etwa von einem moslemischen Vater, der eine Pädagogin „bis zur U-Bahn verfolgt und mit Mord bedroht“ haben soll. In einem anderen Kindergarten hätte sich eine Erzieherin „aus Angst vor einem Vater im Abstellraum eingesperrt“.

Laut der Studie sind von den mehr als 1.800 Betreuungseinrichtungen in Wien 166 Kindergärten (77 Betreiber) und 338 Kindergruppen (125 Betreiber) islamisch. Es sei aber gar nicht so leicht festzustellen, welche Einrichtungen man als „Islam-Kindergärten“ bezeichnen kann, sagte Maria Fürstaller von der FH Wien. Für islamische Einrichtungen zählten in der Studie folgende Kriterien:

  • auf einen islamisch-religiösen Hintergrund hindeutender Name
  • ethnische Zugehörigkeit der Betreiber laut Vereinsregisterauszügen
  • Verbands- oder Vereinszugehörigkeit
  • Homepageanalyse der Kindergärten und -gruppen
  • Sichtbarkeit von islamischen Symbolen in den Einrichtungen
  • Stellenwert der Halal-Vorschriften
  • Werbeaktivitäten der Vereine in islamisch orientierten Medien
  • Auskunft auf telefonische Anfrage
  • offene religiöse und politische Aktivitäten der Betreiber in den Medien

(ha)

Islamische Kindergärten: Studie der Universität Wien Foto: dpa

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