Charlottesville
Linksextremisten versuchen rechten Demonstranten eine Konföderiertenflagge zu entreißen. Die Polizei ging mit Pfefferspray dazwischen Foto: picture alliance/ZUMA Press
Trumps Reaktion auf Charlottesville

Gegen Gewalt, nicht gegen die Gesinnung

Es waren keine Menschen, mit denen man gern ein Bier trinken gehen möchte, die da am Sonnabend in Charlottesville gegen den Abriß der Statue des Südstaatengenerals Robert Lee im Emanzipationspark (früher Robert-Lee-Park) der 50.000-Einwohner-Stadt demonstrierten. Eine bizarre Mischung aus Alternativen Rechten, Nationalisten und Rassisten kam in den nördlichsten Südstaat, um – aus ihrer Sicht – für den Erhalt des kulturellen Erbes der Konföderierten zu demonstrieren. Sie taten dies mit Fackelzügen und Hitler-Gruß.

Nicht weniger radikal zeigten sich die Gegendemonstranten, bestehend aus der rassistischen, weißehassenden „Black Lives Matter“-Bewegung, Antifa-Extremisten und immer noch frustrierten Hillary-Clinton-Unterstützern. Der Polizei gelang es nicht, die Gruppen zu trennen. Ein Demonstrationsteilnehmer aus Finnland gab später bei Breitbart an, die Polizei habe die Demonstranten gezielt in die Hände der Antifa gelenkt und sei somit direkt verantwortlich gewesen für das, was dann folgte. Und das war ein Ausbruch von Gewalt, der seinen Höhepunkt in der Ermordung einer 32jährigen linken Gegendemonstrantin durch einen mutmaßlichen Rechtsextremisten fand.

Medien messen bei Trump mit zweierlei Maß

Der Ausrichter der „Vereinigt die Rechte“-Demonstration, Jason Kessler, verurteilte die Gewalt und machte ebenfalls die Polizei verantwortlich. Sie habe daneben gestanden, als gewalttätige Gegendemonstranten die Rechten attackierten, und auch im Vorfeld habe sie nichts unternommen, um beide Gruppen zu trennen. US-Präsident Donald Trump verurteilte den Haß und die Gewalt, die „von vielen Seiten“ gekommen sei.

Zuviel für linke Pressevertreter, Politiker und selbst einige Mitglieder von Trumps republikanischer Partei. Der Haß im Netz entlud sich gegen den Präsidenten, weil er es gewagt hatte, anders als sein Amtsvorgänger Obama bei vergleichbaren Anlässen, nicht die politische Gesinnung, sondern die Gewaltexzesse beider Seiten zu verurteilen.

Tags darauf stellte Trump klar, daß er sich neben allen extremistischen Gruppen selbstverständlich auch von weißen Nationalisten distanziere. Zu spät. Das Narrativ der Linken war zu diesem Zeitpunkt längst gestrickt: Weiße Nationalisten um ihren Anführer David Duke brachten Trump ins Weiße Haus und haben im Präsidenten ihren Freund, deswegen distanziert er sich nicht von ihnen und ist somit für den Mord von Charlottesville indirekt verantwortlich.

Ein Narrativ, von dem nicht mal Einzelteile einem Realitätscheck standhalten. Noch dazu messen die Medien hier erneut mit zweierlei Maß: Als Mitte Juni ein Unterstützer des früheren demokratischen Präsidentschaftskandidaten Bernie Sanders auf republikanische Kongreßabgeordnete bei einem Baseballspiel schoß und den „Whip“ Steve Scalise dabei schwer verwundete, brachte kein Journalist die Tat mit Sanders oder der demokratischen Partei in Verbindung.

„Für Euch gibt es keinen Platz in Amerika.“

Auch um alte Rechnungen zu begleichen, mußte die Tote von Charlottesville herhalten. Trumps Elf-Tage-Kommunikationsdirektor Anthony Scaramucci wollte sich noch einmal ins Gespräch bringen. „Er hätte viel härter sein sollen im Umgang mit den weißen Rassisten“, klagte der geschasste PR-Mann auf ABC News seinen Ex-Chef an. Selbst Trumps Tochter fiel ihrem Vater anscheinend in den Rücken. In einem Twitter-Statement distanzierte sie sich einseitig vom Haß der Nazis, ließ aber die Linken unerwähnt.

Der demokratische Gouverneur von Virginia, Terry McAuliffe, bot das Kontrastprogramm zu Trump. Er weigerte sich auf mehrmalige Nachfrage, die Gewalt der Linksextremisten zu verurteilen. Den Rechten sprach er das Demonstrationsrecht ab: „Für Euch gibt es keinen Platz in Amerika.“ Der 20jährige Attentäter ist unterdessen wegen Mord zweiten Grades angeklagt worden. Bei einer Verurteilung nach den Gesetzen Virginias drohen ihm zwischen fünf und 40 Jahren Haft. Allerdings besteht auch noch die Möglichkeit, daß James Fields wegen eines Haßverbrechens angeklagt und ihm vor einem Bundesrichter der Prozeß gemacht wird.

Linksextremisten versuchen rechten Demonstranten eine Konföderiertenflagge zu entreißen. Die Polizei ging mit Pfefferspray dazwischen Foto: picture alliance/ZUMA Press

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