Markus Krall Freiheit oder Untergang
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Datenspeicherung
 

„Dieses Ding ist angsteinflößend“

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Das Utah Data Mining Centre in Bluffdale Foto: FoxNews

BLUFFDALE. Am Donnerstag wird im US-Bundesstaat Utah das größte Geheimdienstzentrum der Welt eingeweiht. Das als Utah Data Mining Centre (UDC) bekannte Archiv wird wesentliche Teile der Kommunikation von 314 Millionen Amerikanern aufzeichnen und abspeichern. Kritiker sehen das Computerzentrum als Herz des modernen Überwachungsstaates.

Der korrekte Name des Rechenzentrums lautet Intelligence Community Comprehensive National Cybersecurity Initiative Data Center (etwa: Umfassender nationaler Cybersicherheit-Nachrichtendienstdatenspeicher). Hinter der Bezeichnung verbirgt sich ein Rechenzentrum bislang ungekannten Ausmaßes.

Auf 90.000 Quadratmetern wurde eine stark gesicherte Anlage errichtet, deren Kern zwei gewaltige Hallen bilden, in denen Rechner Daten speichern und auswerten sollen. Das Objekt verfügt über eigene Stromgeneratoren, Kühlsysteme und Wasserversorgung. Die Kosten betrugen 1,5 Milliarden Dollar. Eigentlich sollte der Betrieb im September aufgenommen werden. Nun berichtete die Salt Lake City Tribune, daß das Gebäude am 30. Mai feierlich eröffnet wird.

Einladungen gingen demnach an ausgesuchte Personen. Die Behörden weigerten sich bislang, weitere Informationen über das Objekt herauszugeben. Der Blogger Michael Morisy hat offiziell eine Anfrage an den federführenden Geheimdienst National Security Agency (NSA) gestellt. Er will unter anderem wissen, wer zu der Zeremonie geladen ist und was besprochen wird. Die Frist zur Beantwortung dieser Anfrage läuft in zwei Wochen aus.

300 Milliarden iPhones

Da die Öffentlichkeit nur wenig über den genauen Zweck des Rechnerzentrums erfährt, erhalten Gerüchte über eine umfassende Überwachung der gesamten Telekommunikation in den USA und im Ausland neue Nahrung. Kritiker wie Glenn Beck („Dieses Ding ist angsteinflößend“) werfen der NSA und anderen amerikanischen Geheimdiensten vor, alle Emails, Telefonate, Transaktionen und sonstigen elektronisch erfaßten Vorgänge speichern zu wollen. Die UDC-Speicherkapazitäten reichen aus, um die Telekommunikationsdaten von Millionen Bürgern dauerhaft zu überwachen und zu speichern. Sie betragen Gerüchten zufolge mindestens fünf Zettabyte. Das entspricht der Speicherkapazität von rund 300 Milliarden iPhones.

Erst vor kurzem ist bekanntgeworden, daß amerikanische Behörden den Inhalt sämtlicher Telefonate und alle Emails zu Ermittlungszwecken abspeichern und nachträglich abhören können. Ein früherer FBI-Mitarbeiter hatte dies in einem CNN-Interview im Zusammenhang mit den Ermittlungen zu den Attentätern des Bostoner Marathon eingeräumt. (rg)

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