Klaus-Rüdiger Mai Die Zukunft gestalten wir!
yad_vashem_neu

Geschichtspolitik
 

Yad Vashem ändert Pius-Gedenktafel

yad_vashem_neu
Die Halle der Namen in Yad Vashem, Papst Pius XII. Foto (Halle): Wikipedia/David Shankbone, Foto (Pius): Wikipedia/Ambrosius007, beide Fotos mit CC3-Lizenz https://tinyurl.com/3hth25 Montage: JF

TEL AVIV. Israels nationale Holocaustgedenkstätte Yad Vashem hat am vergangenen Sonntag die Inschrift einer Informationstafel über Papst Pius XII geändert. In der bisherigen Version war diesem Versagen und implizit eine Mitverantwortung bei der Judenvernichtung während der NS-Zeit unterstellt worden. 

Während die korrigierte Inschrift dem Papst zwar weiterhin ein Fehlen klarer Führung vorwirft, das viele zur Kollaboration mit dem NS-Regime einlud und auch den Vorwurf moralischen Versagens wiederholt, erscheint der neue Text differenzierter. Erstmals beinhaltet dieser auch die Vatikan-Position, die vor allem auf die schwierige Position des Papstes während des Zweiten Weltkriegs verweist. Trotz der damit verbundenen Gefahr für die Kirche, geißelte dieser in seiner Weihnachtsansprache 1942 in chiffrierter Sprache das Unrecht, das „Hunderttausenden Unschuldigen wiederfahre“.

„Mit brennender Sorge“

Die Gedenkstätte nutzte die Änderung um erneut öffentlichkeitswirksam auf die Öffnung vatikanischer Archive zu drängen, die ein umfassenderes Bild des Pontifikats Pius XII ermöglichen sollen. Während die linksgerichtete israelische Tageszeitung Ha’aretz meldete, die Änderung der Inschrift sei auf Druck des Vatikans geschehen, hat die Gedenkstätte dies jedoch mittlerweile dementiert.

Papst Pius XI hatte sich 1937 in der maßgeblich von Eugenio Pacelli, dem späteren Papst Pius XII, verfaßten Enzyklika „Mit brennender Sorge“ an die deutschen Katholiken gewandt und dabei das Unrechtsregime der Nationalsozialisten scharf verurteilt.

Während noch in den 50er Jahren die Verdienste von Pius auch von offizieller israelischer Seite gewürdigt worden waren, fand seit Mitte der 60er Jahre eine Umdeutung von dessen Pontifikat statt, welche maßgeblich über die innerdeutsche Diskussion im Zuge des Theaterstücks „Der Stellvertreter“ von Rolf Hochhuth auch Eingang in den innerisraelischen Diskurs fand. (pr)

Probeabo JF 2021 Gratis lesen

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat: Unterstützen Sie die JF mit einer Spende.

Der nächste Beitrag

ähnliche Themen
Hierfür wurden keine ähnlichen Themen gefunden.
aktuelles