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Arabische Revolution
 

Libysches Bürgerkriegstagebuch VIII

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Auf der Straße nach Aschdabija steht nur ein alter Panzer bereit, um Gaddafis moderne Armee aufzuhalten
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Noch sind sie da – Rebellen vor dem Französischen Weltkriegs-Friedhof nur vier Kilometer vor Tobruk
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Rebell, der gerade zu den Kämpfern dazugestoßen ist

Gaddafis Armee ist im ganzen Land auf dem Vormarsch. Auch wenn die Uno jetzt eine Flugverbotszone beschlossen hat und alliierte Luftangriffe kurz bevorstehen, so könnte es doch zu spät sein, um die Regierungstruppen zu stoppen. Gaddafi würde mit einem Blutbad in Bengasi in letzter Minute seine Macht sichern können. Viele Journalisten und andere westliche Ausländer, die bis zuletzt in Bengasi ausgeharrt haben, haben die Stadt daher inzwischen verlassen. Die Rebellen verlassen ebenfalls ihre Stellungen, sie bereiten sich auf den Straßenkampf vor. Die Aufständischen scheinen am Rande des Scheiterns. Auch unser Reporter Billy Six hat sich zur ägyptischen Grenze begeben. Hier ist sein Bericht:

15.März 2011

„Wir kommen zurück – inschallah.“ Die letzten Worte des türkischen Konsuls in Bengasi. Das gesamte Konsulat samt Familien wird in einer Nacht-und-Nebel-Aktion aus Bengasi evakuiert. Ein türkisches Kriegsschiff ist überraschend eingetroffen. Zivilisten dürfen nicht mit. Die Gesichter der Zurückbleibenden sagen es klar – Furcht. Auch bei den Libyern ist die Ausgelassenheit verschwunden. Wer gestern noch freudig „Zanga Zanga“ (wörtlich für „Straße für Straße“, ein Motto der Kriegsparteien in Libyen) sagte, ist jetzt ernst.

Aber niemand flieht, die Lage ist ruhig. Die Libyer, und einige ägyptische Aktivisten, sagen in ruhigem Ton: „Wenn es sein muss, werden wir hier sterben.“ Alle Menschen wissen, daß ihnen das Schlimmste bevorsteht. Doch es gibt kein Zurück mehr. Gaddafi würde barbarisch Rache nehmen, sollte er zurückkehren. Beim Kampf hat niemand mehr etwas zu verlieren.

16. März 2011

Als Ausländer ohne Visum und Stempel hätten nicht nur ich, sondern auch meine libyschen Freunde, schwerste Konsequenzen im Falle einer Festnahme zu fürchten. Meine Freunde halten Wort: Sofort als ich darum bitte, fahren sie mich Richtung Grenze. Viele Straßensperren sind unbesetzt. Nur bei Al Marj sehe ich zwei alte Panzer. In Tobruk ist alles ruhig. Am Französischen Ehrenmahl, an jener Straße, von der aus Gaddafi aus Aschdabiya Richtung Tobruk durch die Wüste vorstoßen könnte, um den Weg von und nach Ägypten abzuschneiden, steht ein alter Panzer und ein Zelt – mit 10 Rebellen. Bei der Besichtigung des Ehrenmals erlebe ich selbst, wie das Zelt eingepackt wird. Ein Rebell nach dem anderen verschwindet. Am Ende bleibt nur der alte Panzer.

Eine Dreiergruppe französischer Journalisten verschwindet aus Tobruk: „Die Leute hier sind so liebenswürdig, und sie werden so zu leiden haben“, seufzen sie traurig. Immer mehr Busse mit Arbeitern aus Schwarzafrika und Bangladesch flüchten aus Bengasi und Tobruk Richtung Grenze. An der Grenzstation richtet sich die „Internationale Migrationsorganisation“ auf das Schlimmste ein.

Dutzende freiwillige Helfer sind da, mehrere Busse und tonnenweise Lebensmittel. „Vor drei Tagen flohen noch 600 Libyer, vor zwei Tagen 800 und gestern 1000“, sagt ein Pressesprecher der Einsatzleitung. Die ägyptische Armee empfängt jeden freudig mit Handschlag und Lebensmittelpaket.

Aber nicht jeder wird auch hereingelassen. Hier spielen sich schreckliche Szenen ab. Hunderte aus Bangladesch und Schwarzafrika harren im Transitbereich aus. Die libyschen Arbeitgeber haben ihnen die Pässe abgenommen ­– das ist normal in Libyen. Ägypten will sie nicht einreisen lassen, solange die Botschaften keinen sofortigen Rückflug in die Heimatländer organisiert haben. Besonders schlecht sei die Arbeit der tschadischen Botschaft, heißt es. Das ARD-Team aus Tobruk fährt Richtung Kairo: „Ab jetzt ist es kein Spiel mehr in Libyen.“

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