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Libysche Rebellion
 

Libysche Rebellion: Der Tod eines Diktators

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Gaddafi beim Gipfeltreffen der Afrikanischen Union 2009 Foto: U.S. Navy/wikipedia.de

Leben und Wirken des libyschen Staatschefs Muammar al-Gaddafi bieten keinen Anlaß zu sentimentaler Betrachtung. Er war unberechenbar, diktatorisch, neurotisch, bizarr. Doch die mittelbaren und unmittelbaren Umstände seines Todes lösen Ekel aus. Er betrifft nicht den Diktator, sondern den Lynchmob, der ihn massakrierte, und diejenigen, die ihm das Opfer zutrieben.

Das war kein Tyrannenmord, wie er im Rausch einer Revolution geschieht, wenn über die Bedrücker die Erbitterung und der Zorn der Volksmassen hereinbrechen. So etwas kann seine Berechtigung haben, um die Machtverhältnisse zu klären und bei den Unterdrückten eine Katharsis, eine innere Reinigung durch Affektentladung, auszulösen. Gaddafi aber war politisch längst tot und lief seit Wochen um sein Leben. Was hier veranstaltet wurde, war eine mit technischer Raffinesse durchgeführte, von Sadismus und Racheinstinkten durchtränkte Menschenjagd, die in einem archaischen Opferritual mündete: Ein schauerliches Zusammenspiel von westlicher und islamistischer Werteordnung!

Charakterzüge des blutrünstigen Mobs

Betrachten wir die moralische Ebene: Die Medien – Ausnahmen bestätigen die Regel – haben Gaddafis Tötung mit Schadenfreude publiziert und damit an die Bestie im Publikum appelliert. Um dem Toten jede Würde abzusprechen, mokierten die Journalisten sich über sein „Winseln“ um Gnade. Doch auf den verwackelten Bildern ist die nackte, jeglicher Macht und allen weltlichen Insignien entkleidete Kreatur zu sehen, die dem Tod direkt ins Auge blickt und die in diesem Moment die natürlichste und menschlichste Regung äußert: Angst! Wer das nicht erkennen und respektieren kann, leidet selber an moralischer Unterentwicklung. Er übernimmt die Charakterzüge des blutrünstigen Mobs.

Und nehmen wir einmal an, die für den Irak-Krieg hauptverantwortlichen Herren Bush, Cheney, Rumsfeld, Blair samt ihren journalistischen Hilfstruppen würden einen Ausflug an ihre Wirkungsstätte unternehmen und dort von bombengeschädigten Irakis erkannt und zur Rede gestellt weden: Ihr Auftritt wäre von dem Gaddafis mit Sicherheit nicht zu unterscheiden! Der Nato-Einsatz, der Gaddafis Sturz und Tod herbeiführte, wurde offiziell nicht als Krieg, sondern als „humanitärer Einsatz“ beziehungsweise als Strafaktion gegen einen Gesetzesbrecher geführt. Die Nato erklärte sich zum Vollzugsorgan einer universalen Ordnung, die durch die Menschenrechte definiert wird. Auf diese Weise werden die „Menschenrechte“ zum Moloch. Im Irak-Krieg sind ihm bereits über eine Millionen Menschen zum Opfer gefallen.

Akte einer hegemonialen Exekutive

Auch das Mandat des Sicherheitsrats, das durch die Enthaltung der Veto-Mächte Rußland und China zustande kam, bezeugt kein höheres, übernationales Recht. Es besagt nur, daß China oder Rußland sich zu schwach fühlten oder daß Gaddafi ihnen nicht wichtig genug war, um einen Konflikt mit dem Westen zu riskieren. Die Kriegseinsätze liegen auf einem vergleichbaren Niveau wie der Einsatz von Drohnen, die Gegner ferngesteuert eliminieren. Anklage, Todesurteil und Vollzug sind Akte einer hegemonialen Exekutive. Gegen sie gibt es keine Verteidigung und Berufung, sie erfordern nicht einmal eine unvoreingenommene Beweisaufnahme.

Wer meint, das würde ausschließlich Diktatoren, Terroristen, Kriegsverbrecher, die „Richtigen“ also betreffen, sollte sich vergegenwärtigen, daß hinter solchen Zuschreibungen oft harte Machtinteressen stecken. Sicher fühlen können Staaten oder innerstaatliche politische Lager sich nur solange, wie sie sich mit der hegemonialen Macht, die die universalistische Grammatik bestimmt, in Übereinstimmung befinden. Bei Konflikten stehen sie in der Gefahr, selber als Störer des internationalen Friedens unter Druck gesetzt zu werden. Dazu kann der jeweilige Staat zum Instrument des Hegemons werden und sein Modell auf die Innenpolitik übertragen. Auch realpolitisch überzeugen Gaddafis Sturz und Tod nicht, weil das, was nach ihm kommt, noch schlimmer ist.

Islamisten auf dem Vormarsch

Die Libyer hatten unter ihm einen Lebensstandard, von dem die meisten Afrikaner nur träumen können. Zwar hatte er gedroht, Europa „schwarz zu machen“, es mit afrikanischen Flüchtlingen zu überschwemmen. Doch besaß er die Macht, die Flüchtlingswelle zu stoppen, und er war auch bereit dazu. Die Rebellion wurde zum Ausläufer des „arabischen Frühlings“ erklärt, über dessen Ursprünge, Hintergründe, Kräfte und Abläufe wir gar nichts wissen. Klar ist nur, daß die Kalkulationen, die die Medien darüber verbreiteten, nicht aufgehen. Die Islamisten sind auf dem Vormarsch, die Verfolgung der christlichen Minderheiten nimmt zu. Das konnte man sich vorher ausrechnen.

So wuchern die Gerüchte über die wahren Kriegsgründe. Ein Gaddafi-Sohn hatte vor Wochen angekündigt, Beweise für libysche Geldzahlungen an den französischen Präsidenten Sarkozy vorzulegen. Andere meinen zu wissen, daß Gaddafi die Einführung eines Golddinars für Afrika plante, der das westliche Weltwährungssystem ins Wanken gebracht hätte. Oder geht es bloß um Ablenkung, um Brot und Spiele? Die ARD-Tagesschau widmete Gaddafis Tod die Hälfte ihrer Sendezeit. Danach folgte ein Kurzbericht zur Euro- und Schuldenkrise. Jedenfalls hat der in seinen wirtschaftlichen Grundfesten wankende Westen sich in Libyen moralisch verroht und realpolitisch kopflos gezeigt.

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