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Religionsfreiheit
 

Irakische Christen protestieren gegen Gewaltwelle

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Kirche in Bagdad: irakische Christen werden vermehrt bedroht Foto: Wikipedia

BAGDAD. Im Irak haben rund eintausend Christen gegen die zunehmende Gewalt protestiert, der sie als religiöse Minderheit ausgesetzt sind. Am Sonntag versammelten sie sich in Bagdad und in der nordirakischen Stadt Hamdaniyah nahe Mossul.

Auf Transparenten forderten sie unter anderem, das „Gemetzel“ zu beenden. Der chaldäisch-katholische Weihbischof Shlemon Warduni appellierte in Hamdaniyah an die Vereinten Nationen, Amerika und die Europäische Union, „die Rechte der Christen in Mossul zu verteidigen“. Die Regierung in Bagdad habe dafür bisher nichts getan, sagte er der britischen Rundfunkanstalt BBC.

Nach Angaben der Vereinten Nationen sind in jüngster Zeit mehr als 680 christliche Familien aus Angst vor Anschlägen und Entführungen aus Mossul geflüchtet. Etwa 1.500 Studenten können aus Angst um ihr Leben ihr Studium an der Universität der Stadt nicht fortsetzen. In den vergangenen zwei Wochen wurden dort neun Christen umgebracht, meldete Radio Vatikan. Papst Benedikt XVI. rief die staatlichen Organe des Irak zum besseren Schutz religiöser Minderheiten auf.

Gewalt nimmt vor der Parlamentswahl zu

Bischof Warduni hatte kürzlich gegenüber der italienischen katholischen Nachrichtenagentur SIR das Kruzifix-Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte kritisiert. Der Entscheid der Straßburger Richter erschwere die Lage der christlichen Minderheiten im Nahen Osten. Die Mißbilligung von Kreuzen in öffentlichen Schulen sei „schlichtweg eine Schande“.

Am Tag der Demonstrationen wurde in Deutschland in zahlreichen evangelischen Kirchen besonders für die Christen im Irak gebetet. Die EKD lud an diesem Sonntag Reminiscere (lateinisch für „gedenket“) erstmals zum Gebetstag für die Verfolgten ein.

Zur uneingeschränkten Solidarität mit den Christen im Irak rief auch die Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe, Erika Steinbach, auf. Vermutlich stünden die Gewalttaten im Zusammenhang mit der Parlamentswahl am 7. März. Christen und andere religiöse Minderheiten würden zu Opfern des gewalttätigen Machtkampfs zwischen Schiiten und Sunniten, so Steinbach.

Vor 20 Jahren lebten im Irak etwa 1,4 Millionen Christen; heute sind es infolge von Flucht und Vertreibung nur noch schätzungsweise zwischen 300.000 und 400.000. Von den 26,7 Millionen Einwohnern des Landes sind 95 Prozent Muslime. (idea/ru)

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