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Europäischer Gerichtshof
 

Sturm der Entrüstung nach Kruzifix-Urteil

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Die Regierung Berlusconi will das Kruzifix gegen den Europäischen Gerichtshof verteidigen Foto: Wikipedia/ Präsidialamt

ROM. Das Urteil des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte, nach dem Kruzifixe in italienischen Klassenzimmern gegen die Religionsfreiheit verstoßen, hat nicht nur in Italien für heftige Kritik gesorgt.

„Niemand, und schon gar nicht einem ideologischen europäischen Gericht, wird es gelingen, unsere Identität zu unterdrücken“, sagte die italienische Bildungsministerin Mariastella Gelmini von der Regierungspartei PdL, und kündigte Berufung gegen das Urteil an.

„In Italien wird niemand Kreuze von den Schulklassen entfernen“, bekräftigte der italienische Europaminister Andrea Ronchi (PdL) die Haltung der Regierung. Auch der Kardinalsstaatsekretär des Vatikans, Tarcisio Bertone, zeigte sich kämpferisch. „Dieses Europa des dritten Jahrtausends nimmt uns die wertvollsten Symbole weg“, meinte der Kardinal. „Wir müssen mit all unserer Kraft versuchen, die Zeichen unseres Glaubens zu bewahren.“

Bevorzugung des Islams in Straßburg?

„Was hier vor sich geht, ist entweder Kulturkampf oder Dummheit“, sagte der Deutschlandchef von Radio-Vatikan, Pater Eberhard von Gemmingen. „ Wenn man Europa das Christentum verbietet, wird Europa untergraben.“ Ein Kind solle dagegen lernen, „ woher unser Denken, unsere Sozialeinrichtungen, unsere Rechtskultur herkommen“, sagte der Jesuit im Gespräch mit dem katholischen Nachrichtendienst kath.net.

Auch in Österreich schlug die Entscheidung Wellen. „Alle Symbole für die Einzigartigkeit und Unverwechselbarkeit Europas sollen also zum Verschwinden gebracht werden, weil sie den Dogmen der politischen Korrektheit zuwiderlaufen“, protestierte der Europa-Abgeordnete Andreas Mölzer (FPÖ). Eine Einseitigkeit, die sich im Umgang mit dem islamischen Kopftuch zeige.

„Hier würden die Straßburger Richter wahrscheinlich keine Bedenken haben, obwohl das islamische Kopftuch nicht nur ein religiöses, sondern auch ein politisches Symbol ist und im Hinblick auf die Würde der Frau als problematisch angesehen werden kann“, empörte sich der EU-Parlamentarier.

 In Deutschland nannte der familienpolitische Sprecher von CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, Johannes Singhammer, die Entscheidung ein „klassisches Fehlurteil“. Das Kruzifix sei Ausdruck der christlichen Werteordnung, „nämlich dem Schutz der Würde aller Menschen, egal welcher Herkunft, welchen Geschlechts oder welchen religiösen Bekenntnisses“. (FA)

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