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„Nicht langsam unterwegs“

Zwei Monate nach Jörg Haiders Unfalltod liegt ein Gutachten vor. Verantwortlich dafür ist Harald Weinländer. Beauftragt wurde es von der Staatsanwaltschaft in Klagenfurt. Der Techniker aus Graz bestätigte, daß der Kärntner Landeshauptmann mit seinem Dienstwagen, einem VW Phaeton, viel zu schnell unterwegs war. Das hatten schon Experten aus Wolfsburg wenige Tage nach dem Unfall ermittelt (JF 44/08). Nach ihren Recherchen zeigte das Tachometer zum Zeitpunkt des Unfalls 142 km/h an. Weinländer schreibt jetzt sogar von 170 km/h. Er hat gute Argumente für diese Behauptung. Der Airbag, so die Analyse des Bordcomputers, löste sich bei 142 km/h aus. Nach Weinländer ist das nur möglich, wenn es vorher schon eine Verzögerung gab. Haider befand sich auf der Loiblpaß-Straße auf dem Heimweg. Es war kurz nach ein Uhr, als er nach einem Überholmanöver plötzlich von der Straße abkam. Weinländer rekonstruierte den Unfallhergang und korrigierte die bisherige Version, die wie folgt lautete: Der Wagen rammte zunächst ein Verkehrsschild, schlitterte dann eine Böschung entlang und prallte dann gegen einen Hydranten. Der Wagen habe sich dann mindestens dreimal überschlagen. Dieses Szenario konnte Weinländer nicht bestätigen: „Der Wagen hat sich nicht überschlagen, denn das Dach und die Beifahrerseite waren kaum beschädigt.“ Haiders Wagen schlitterte nach Weinländers Ergebnissen auf der Fahrerseite die Böschung entlang und knallte gegen einen Hydranten. Nach dem Aufprall wurde der Wagen in eine andere Richtung geschleudert und stellte sich quer zur Fahrbahn. Weinländer: „Ohne den Hydranten wäre der Unfall glimpflicher verlaufen.“ Weinländers Rekonstruktion deckt sich mit den Aussagen von Fritz Boss. Boss wohnt wenige Meter vom Unfallort entfernt. Er erinnert sich: „Ich konnte ganz deutlich den Abdruck der Felge am Thujenzaun sehen. Haider ist zwar abgehoben und auf der Fahrerseite dahingeschlittert. Dann hat er den Thujenzaun von meinem Nachbarn gerammt, zuerst unten, dann weiter oben. Schließlich hat er den Hydranten gerammt.“ Wie groß die Wucht des Aufpralls war, zeigen die Schäden an der Fahrerseite. Beide Türen der Fahrerseite waren ausgerissen. Weinländers Gutachten erklärt jetzt auch, warum Haiders linker Arm fast abgetrennt war. Die Ursache war der Hydrant. Das endgültige Gutachten liegt aber noch nicht vor, weil, so Weinländer, noch „diverse Verschwörungstheorien eingearbeitet“ werden müssen. Und die halten sich bis heute. „Haider wurde umgebracht“, weiß zuletzt ein Kärntner Polizist im Internet zu berichten, freilich ohne Angabe seines Namens: „Haider sollte schnell unter die Erde kommen und der Fall damit ohne Beweismittel abgeschlossen werden … Von vorgesetzter Stelle und offenbar von ganz oben wurde immer wieder Druck gemacht … Man solle nicht rumstochern, wurde gesagt … Der hat sich halt besoffen derrannt … Sowas kommt halt vor …Zeitverschwendung sei es, hier nach einem möglichen Mord zu suchen …“ Einen Hydranten gibt es nach seiner Aussage dort freilich nicht. Witwe Claudia jedenfalls ist froh über das Gutmachten. Sie möchte den vielen Theorien um den Tod ihres Mannes ein Ende setzen. Diesen Wunsch wird das Gutachten nicht erfüllen. Es klärt nicht die Frage, warum Haider zum Zeitpunkt des Unfalls 1,8 Promille Alkohol im Blut hatte. Das steht im Widerspruch zu Aussagen seiner engsten Parteifreunde. Die bestätigten Haiders nüchternen Zustand. Erst später kamen weitere Details ans Tageslicht. Haider hatte seinen Chauffeur nach Hause geschickt und saß selbst am Steuer. Er fuhr aber nicht gleich nach Hause. Der BZÖ-Gründer gastierte noch in einem Klagenfurter Szenelokal. Dort bestellte er eine Flasche Wodka. Unbekannt blieb bis heute auch jener junge Mann, mit dem sich Haider unterhielt. „Dort gab man Haider K.o.-Tropfen ins Glas“, verlautbarten die Verschwörungstheoretiker. Weinländer sieht die Sache nüchtern, wenn er sagt: „Es war ein Unfall wie hundert andere.“ Die Gründe dafür waren Alkohol am Steuer und überhöhte Geschwindigkeit.

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