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Wenn die Sicherungen durchbrennen

Seit Wochen schwebt der Name einer kleinen Stadt wie ein Damoklesschwert über dem Engagement der US-amerikanischen Streitkräfte im Irak – Haditha. Dort sollen nach Augenzeugenberichten am 19. November des vergangenen Jahres Amerikanische Marineinfanteristen willkürlich 24 irakische Zivilisten, unter ihnen Kinder, Frauen und Greise, mit Schüssen aus nahester Distanz ermordet haben. Das US-Militär hatte die Ermittlungen zu diesem Fall aufgenommen, nachdem das Massaker und die versuchte Vertuschung im Januar von Reportern des New Yorker Nachrichtenmagazins Time Magazine aufgedeckt worden war. Seither ist das brisante Thema aus den Medien nicht mehr wegzudenken. Vermutliche Vergeltung für einen Kameraden Haditha, am oberen Lauf des Euphrat in der Provinz Anbar gelegen, befindet sich in einer der gefährlichsten Regionen des Iraks, die vornehmlich von Sunniten beherrscht wird. Die Situation dort wird im allgemeinen als besonders angespannt und gefährlich beschrieben, und in irakischen Kreisen heißt es, daß die Amerikaner dort lediglich ihre Militärbasen unter Kontrolle haben. In Haditha haben die beteiligten Soldaten vermutlich Vergeltung für den Anschlag auf einen US-Militärkonvoi am 19. November geübt, bei dem der 20jährige Gefreite Miguel Terrazas ums Leben kam. Sein Kamerad, der Gefreite James Crossan, der bei der Explosion der Autobombe schwer verletzt wurde, sagte gegenüber Journalisten, daß dieser Vorfall andere Soldaten „vor Haß hat blind werden lassen und diese wahrscheinlich einfach die Kontrolle verloren“ hätten. Die US-Medien gehen mit dem Thema objektiv und sensibel um. Die Berichterstattung ist einerseits geprägt von der konsequenten Verurteilung des Verbrechens und seiner versuchten Vertuschung durch Vorgesetzte – an die Familien von fünfzehn der Ermordeten hatte das Militär wenige Wochen nach dem Massaker eine Geldsumme in Höhe von insgesamt 38.000 US-Dollar gezahlt -, andererseits aber auch von Mitgefühl für die oft jungen überforderten Soldaten, die sich in einem fremden Land mit einer fremden Kultur und einer Bevölkerung konfrontiert sehen, die sie nicht als Befreier, sondern als Besatzer betrachtet und ihnen vorwiegend feindlich gegenübersteht. So ist es für die Amerikaner häufig schwer zu entscheiden, wer Freund und wer Feind ist. Carl Morgan aus Butler, Pennsylvania, als Mitglied einer Einheit der Nationalgarde im Irak, erinnert sich, wie Iraker, mit denen er noch vor wenigen Wochen gemeinsam gelacht hatte, wenig später mit Steinen und Rohren nach ihm warfen. Während die Offiziere den Soldaten einzubleuen versuchen, daß diese die „Herzen und Köpfe“ der Iraker für sich gewinnen müssen, „wollen diese uns einfach nur tot sehen“, so Chuck Norris, ein Freund und Kamerad Morgans, gegenüber der New York Times. Das US-Militär untersucht vier weitere Fälle In der Region um Haditha wurden drei Monate vor dem Massaker weitere zwanzig US-amerikanische Marines getötet. Vierzehn davon kamen bei der Explosion einer Autobombe ums Leben, die anderen sechs, allesamt Scharfschützen, wurden während eines Kontrollgangs von Aufständischen erschossen. Diese hatten den Angriff mit einer Videokamera festgehalten und den Film, auf dem unter anderem der malträtierte verbrannte Körper eines toten Amerikaners zu sehen war, später im Internet veröffentlicht. Kriegsveteranen wie Lawrence Harper, der fünfzehn Jahre im Marine Corps gedient hat, weisen zudem darauf hin, daß „wenn eine Kugel auf dich zufliegt, du dich umdrehst und siehst, daß der Kopf deines Kameraden halb weggeschossen ist, sich deine Sichtweise auf die Dinge ganz schnell ändert.“ Das US-Militär untersucht derzeit neben Haditha vier weitere Vorfälle, bei denen US-Soldaten Zivilisten erschossen haben. Bei einem davon sollen US-amerikanische Marines eine AK-47, ein russisches Schnellfeuergewehr, neben einem getöteten Iraker plaziert haben, um diesen im nachhinein als Aufständischen zu brandmarken. Während einige Abgeordnete nun im US-Kongreß bereits befürchten, daß der Fall Haditha dem Ansehen der US-Streitkräfte weitaus mehr Schaden zufügen könnte als der Skandal um das Gefängnis Abu Ghraib, wird sämtlichen im Irak stationierten Truppen indes kurzerhand ein „Ethik- und Werte-Training für das Verhalten im Gefecht“ verordnet. Doch für die Regierung in Washington hätte Haditha zu keinem schlechteren Zeitpunkt geschehen können. Denn kaum haben sich die Wogen nach dem Folterskandal um Abu Ghraib ein wenig geglättet, bricht bereits die nächste mediale Riesenwelle über das Militär herein, bei der bereits Vergleiche mit dem wohl schlimmsten Kriegsverbrechen gezogen werden, das jemals von US-amerikanischen GIs verübt wurde: Während des Vietnamkriegs, im Frühjahr 1968, hatte eine US-amerikanische Einheit das gesamte Dorf My Lai mit seinen über 500 Einwohnern komplett ausradiert.

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