Pathetische Exportartikel

Im Jahr 1841 nutzte Hoffmann von Fallersleben die Abgeschiedenheit der unter englischer Krone stehenden Nordseeinsel Helgoland, um seine Huldigung an Deutschland niederzuschreiben, auf die sich unsere Nationalhymne stützt. In der Abgeschiedenheit des Bergischen Landes östlich von Köln hat nun Barak Wassa die Nationalhymne seines Heimatlandes Afghanistan komponiert. Umgekehrt als von Fallersleben mußte er einen vorgegebenen Text vertonen, den ihm das Kultusministerium in Kabul Ende November zukommen ließ. Der 1980 nach dem Einmarsch der Sowjets im deutschen Exil lebende Generalmusikdirektor machte sich sofort an die Arbeit und schickte seine Komposition – Anklänge an Marschmusik mit afghanischen Volkslied-Elementen – mit eigenem Gesang an den Hindukusch. Nun wurde sein Lied ausgewählt, Parlament, Präsident Hamid Karsai und sein Kabinett bedankten sich bei Wassa. Dieser hatte übrigens Mühe, den Text richtig zu übersetzen, da seine Muttersprache Dari ist und die neue Hymne paschtunisch erklingt. Da „Afghanistan kein Geld hat“, sucht Wassa, mittlerweile deutscher Staatsbürger und Leiter mehrere Chöre im Bergischen Land, nun für eine professionelle Aufnahme dieser neuen Nationalhymne ein Orchester und einen Chor mit namhaften deutschen Sängern. Schwierig dürfte sich nur eines gestalten: „Die Sänger müßten Paschtu aussprechen können“.

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